Zu ihrem fünften Geburtstag am vergangenen Samstag hatte die Sendergemeinschaft des Rundfunk Berlin Brandenburg, kurz RBB, ein besonderes Geschenk für sein Publikum: Ende dieses Jahres wird das Fernsehmagazin Polylux eingestellt sowie der Radiosender Multikulti .

Im kommenden Jahr werden dem Sender 54 Millionen Euro fehlen. Die GEZ-Gebühren, aus denen sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten finanzieren, werden der Menge der Gebührenzahler entsprechend an die einzelnen Länderanstalten verteilt. So entfallen auf die Bundesländer Berlin und Brandenburg aufgrund ihrer Größe und Einwohnerzahl entsprechend weniger Einnahmen als etwa auf Bayern oder Baden-Württemberg. Außerdem sind in Berlin und Brandenburg aufgrund der prekären Sozialstruktur viele Rundfunknutzer von den Gebühren befreit.

Laut ARD-Finanzausgleich sollen kleine oder sozial schwache Bundesländer verhältnismäßig mehr Gebühren erhalten. Doch dazu sind die großen ARD-Anstalten wie der BR oder der WDR nicht bereit. Stattdessen fragen sie, warum sich ausgerechnet der vergleichsweise kleine RBB sieben verschiedene Radioprogramme leiste.

In keinem anderen Bundesland gibt es eine so differenzierte Radiolandschaft wie in Berlin. Davon profitieren die Hörer ebenso wie der kulturelle und gesellschaftliche Diskurs. Gerade das schärft Berlins Profil als weltoffene, visionäre Hauptstadt.

Die Nachricht kam überraschend: Die RBB-Intendantin Dagmar Reim hatte vergangene Woche beschlossen, auf Gebührenrückgänge und Schulden zu reagieren und Radio Multikulti zu schließen. Ohne eine öffentliche Debatte angeregt zu haben, ohne Rücksicht auf die Interessen der Hörer und Gebührenzahler zu nehmen.

Zwar kann der Sparkurs nur einen Bruchteil der Belastungen tilgen. Aber sie sei doch, sagt Dagmar Reim, "eine schlechte Intendantin", wenn sie nicht auf die desolate Lage reagieren würde. Daraus ergibt sich die Frage nach den Qualitäten einer guten Intendantin. Eine solche zeichnet sich sicherlich nicht dadurch aus, dass sie selbstherrlich über Jahre gewachsene Programmkonzepte aushebelt und ihre Mitarbeiter vor vollendete Tatsachen stellt.

Erst im November vergangenen Jahres hatte Angela Merkel kritisiert, ARD und ZDF vernachlässigten ihren Sendeauftrag und richteten ihre Inhalte zu sehr an den Quoten aus. Folgerichtig wendet sich der RBB gegen den Verdacht, Radio Multikulti werde geschlossen, weil nur 37.000 Hörer täglich einschalteten.

Dass ein außergewöhnliches Musik- und Wortprogramm, dazu abendliche Sendungen in verschiedenen Sprachen den Sender zu einem klassischen Einschaltradio machen, bleibt dabei unberücksichtigt. Ebenso die Tatsache, dass die Hörerzahlen auf einer wenig repräsentativen Umfrage beruhen.

Abgesehen davon darf die Quote kein Kriterium für einen öffentlich-rechtlichen Sender sein, der laut Rundfunkstaatsvertrag einen integrativen kulturellen Auftrag hat: Es soll "die ausgewogene Auseinandersetzung mit politischen und kulturellen Themen allen Bürgern ermöglicht werden und so demokratische Auseinandersetzung ermöglichen".