Zu den heiß gehandelten Thesen dieser Tage zählt jene vom "Kampf der Generationen". Kurz gefasst geht sie so: Eine wachsendes Heer an gut organisierten Alten wird schon bald die Jungen im Rennen um Einfluss und Geld überholen. Heraus kommt ein Generationenkonflikt, wie ihn die Republik noch nicht gesehen hat.

Wie unscharf dieses Bild jedoch ist, lässt sich in einer neuen Studie nachlesen, die ein Forscherteam um den Kieler Ökonomen Carsten Schröder verfasst hat, und deren Datenbasis bis 1978 zurückreicht. Sie zeigt erstmals anhand repräsentativer Einkommensdaten, dass die Gruppe der Rentner in Zukunft keinesfalls homogen sein wird und geeint im Kampf gegen die Jungen.

Zwar finden die Wissenschaftler heraus, dass es unter deutschen Rentnern jahrzehntelang weitgehend egalitär zuging. Die sozialen Unterschiede allerdings sind ihren Daten zufolge nicht geringer als bei den jungen Menschen im Land, wie oft geschrieben und behauptet wurde. Die Forscher erklären das unter anderem mit Sozialtransfers an junge Familien wie beispielsweise dem Kindergeld, zum anderen damit, dass das Ost-West-Gefälle bei den Jungen geringer ist als bei den Alten. In Ostdeutschland ist die Ungleichheit unter den Rentnern sogar zuletzt gewachsen, auch, weil nun die Wendeverlierer ins Rentenalter kommen.

Diese Entwicklung, so die Prognose der Forscher, wird sich noch verschärfen: Steuert die Politik nicht gegen, wird die soziale Kluft im Alter deutlich wachsen. Folgt man den Schätzungen der Wissenschaftler, wird es bald zahlreiche Trennlinien innerhalb der künftigen Rentnergeneration geben: zwischen Reich und Arm, Pensionären und gesetzlichen Rentenbeziehern, Vermögenden und Transferbeziehern. "Die Ungleichheit im Alter wird deutlich zunehmen", schätzt Schröder. Hier aber liegt der Stoff für künftige Gerechtigkeitsdebatten und neue Verteilungskämpfe, die an Härte gewinnen dürften.

Nach Ansicht der Forscher hat die Entwicklung vor allem eine Ursache: das Absinken des Rentenniveaus im Zuge der jüngsten Reformen der gesetzlichen Rente. Über Jahrzehnte hin war die gesetzliche Rente eine große Umverteilungsmaschine und eine Versicherung gegen Abschwünge und Phasen schwachen Wachstums. Weil das gesetzliche Rentenniveau in Zukunft sinkt, fällt diese Versicherung nun aus und die bisherige Verteilung gerät ins Rutschen – so die These.