Es ist ein ganz gewöhnlicher Wochentag im Terminal B des Kölner Flughafens. Auf der Anzeigentafel stehen Linienflüge nach Mailand, München und Mallorca. Alle paar Minuten hebt ein Passagierjet ab. Plötzlich erreicht ein dringender Anruf den Lotsen im Tower. „Köln, wir haben ein Problem.“ Sofort wird der Luftraum gesperrt und die Landebahn freigemacht. Feuerwehrautos und Rettungswagen düsen in Richtung Rollfeld. Statt dem nächsten Billigflieger landet dort ein besonders kostbares Flugobjekt: ein amerikanisches Space Shuttle.

Was sich wie das Drehbuch zu einem schlechten TV-Katastrophenfilm anhört, ist in der Realität ein fest einkalkuliertes Szenario: Die Landebahn des Flughafens Köln/Bonn gehört als einzige in Deutschland zu den weltweit rund 60 Notlandeplätzen der amerikanischen Weltraumagentur Nasa. Die Liste der raumfahrttauglichen Rollbahnen ist lang und exotisch: Neben Kanada und Australien arbeitet die Nasa zum Beispiel auch mit den Airports der chilenischen Oster-Insel und des Hao-Atolls im Südpazifik zusammen. Dort verläuft das Rollfeld auf einem wenige 100 Meter breiten Landstreifen zwischen Lagune und Ozean. Landebahn auf langer Insel: Klicken Sie auf das Bild, um eine große Karte des Kroallenatolls in Französisch-Polynesien zu sehen

Im Wasser landen, wie viele Raumkapseln, können die wieder verwendbaren Shuttles nämlich nicht. „Dann würden sie auseinanderbrechen“, sagt Marty Linde, Landing Support Officer am Johnson Space Center der Nasa im texanischen Houston. Deshalb wurde Anfang der achtziger Jahre – als die ersten Space Shuttles ins All abhoben – auf der ganzen Welt nach Landebahnen für den Notfall gesucht. „Die Rollbahn für ein Space Shuttle muss mindestens 2,3 Kilometer lang und 40 Meter breit sein“, sagt Linde. Wenn nötig, helfen die Amerikaner nach: Die benötigten Landebahnen auf der Oster-Insel und in Gambia wurden sogar für die Nasa verlängert.

Doch auch mit solcher Nachhilfe ist nicht jedes Gebiet geeignet für eine Notlandung – nicht zuletzt wegen der politischen Situation. Das musste die Regierung Marokkos feststellen: Bis zum Jahr 2002 war auch ihr Flugplatz in Ben Guerir fest als Anflugspunkt der Nasa eingeplant. Doch plötzlich strich man die Kooperation mit Nord-Afrika. Die Region sei zu gefährlich wegen möglicher Terroranschläge, befand die Nasa.

Jeder Flughafen, der infrage kommt, ist mit allen technischen Daten und geografischen Details bei der Nasa registriert. In einem 409 Seiten dicken Dokument hält die Weltraumbehörde zum Beispiel fest, dass auf den Kapverdischen Inseln vor der Westküste Afrikas mit schlechter Sicht und östlichem Seitenwind zu rechnen ist.

Am wahrscheinlichsten sind die Notlandungen wegen Komplikationen während des Starts in Cape Caneveral. Glück im Unglück haben die Shuttle-Piloten noch, wenn in den ersten Minuten etwas schiefgeht. Bei geeigneter Flugbahn und richtiger Entfernung zur Erde kann es nämlich direkt wieder nach Hause gehen: Fällt etwa beim Start eines der Haupttriebwerke aus, kann der große Treibstofftank abgeworfen werden und das Space Shuttle nach einem Kurvenflug wieder in Florida landen. Sind allerdings mehr als 4 Minuten und 20 Sekunden nach dem Abheben verstrichen, ist eine Rückkehr zum Startort nicht mehr möglich.