ZEIT online: Herr Matthée, mit welchen Wünschen kommen Ihre Kunden zu Ihnen?

Frank Matthée: Für einen meiner Kunden organisiere ich derzeit eine Pferdeshow, eine Art choreografierter Tanz von Mensch und Pferd. Ein anderes Brautpaar wünscht sich ein Wasserballett. Für eine weitere Hochzeit arbeiten wir gerade an einer besonderen Show aus Musik, Wasserfontänen, Feuerwerk und Laserprojektionen über einem See, eigens für diese Hochzeit komponiert.

ZEIT online: Es scheint, als ob Hochzeiten immer größer und ausgefallener werden.

Matthée: Hochzeiten spiegeln immer auch gesellschaftliche Verhältnisse und Veränderungen wider. Nach einer Phase der Nüchternheit und des Pragmatismus in den neunziger Jahren beobachten wir derzeit wieder einen Trend zurück zur Opulenz. Wer heute heiratet, tut das meist nicht einfach für den Trauschein oder einen gemeinsamen Nachnamen für die Kinder. Paare wollen sich etwas gönnen, sich feiern. Das zeigt sich in der Dauer und Größe des Festes – immer länger, immer pompöser. Paare aus dem Adel oder der High Society haben natürlich schon immer in solchen Größenordnungen gefeiert. Neu ist, dass jetzt auch ganz normale Menschen so heiraten wollen.

ZEIT online: Hochzeiten, die kürzer als ein Wochenende sind, scheint es kaum mehr zu geben.

Matthée: Sie haben recht. Ich arbeite jetzt seit sechs Jahren als "Wedding Planner" und meine Agentur hat noch nie so viele "Wedding-Weekends" veranstaltet wie im Moment. Selbst vier bis fünf Tage sind mittlerweile nichts Außergewöhnliches mehr. Dieser Trend hat vor etwa drei Jahren begonnen und wird seitdem immer stärker.

ZEIT online: Worauf führen Sie das zurück?

Matthée: Zum einen liegt es sicher am allgemeinen Hedonismus unserer Zeit. Man will mehr Zeit zum Feiern haben. Eine Rolle spielt aber sicher auch, dass die Hochzeitsgesellschaften internationaler geworden sind: Viele haben im Ausland studiert oder dort gearbeitet. Da kann es schon mal sein, dass der Freundeskreis und die Familie eigens für das Fest aus aller Welt anreisen müssen. Und wenn man sich sonst selten sieht, will man natürlich mehr Zeit miteinander verbringen.

ZEIT online: Das erklärt aber noch nicht, warum Paare aus Hamburg oder Berlin ihre Hochzeiten nach Südfrankreich verlagern und ihre Freunde und Familien für mehrere Tage aus Deutschland anreisen lassen.

Matthée: Das ist der andere große Trend: "Destination Weddings". Dabei geht es um Distinktion, die Paare wollen ihre Hochzeit zu etwas ganz Besonderem machen, das sich vom Durchschnitt abhebt. Das Standesamt der eigenen Stadt ist da nicht mehr exotisch genug. Auch die "neue Romantik" spielt eine Rolle. Die Paare gehen heute wieder davon aus, dass sie nur einmal im Leben heiraten werden. Da muss die Hochzeit natürlich ein ganz besonderes, einzigartiges Ereignis werden.