Die protestierenden Bauern in Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben ihre Blockaden von Molkereien zum Teil wieder aufgelöst. In Schleswig-Holstein zogen sie von allen 14 zuvor blockierten Molkereien wieder ab, in Niedersachsen von dreien. Allerdings nicht freiwillig: Eine Molkerei hatte den Bauern mit einer Schadensersatzforderung in Höhe von einer halben Million Euro gedroht.

Auch der Milchindustrieverband (MIV) droht den protestierenden Bauern. "Die Boykotte sind illegal. Und Illegales muss man mit dem Gesetz bekämpfen", sagte Eberhard Hetzner, Hauptgeschäftsführer des MIV. Aber auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter rät den Bauern inzwischen, die Blockaden zu beenden, um eine Eskalation zu vermeiden. Die Bauern sollten aber am Ort Präsenz zeigen. Kurz zuvor hatte der Verband mitgeteilt, seinen bundesweiten Milch-Lieferboykott fortsetzen zu wollen.

Trotz der im Norden teilweise aufgehobenen Blockaden wird die Milch im Einzelhandel knapp. Am Dienstag meldete der Discounter Plus punktuelle Ausfälle bei einzelnen Milchprodukten. "Wenn der Lieferboykott ausgeweitet wird, kann es zu schrumpfenden Beständen kommen", sagte eine Sprecherin.

Auch der größte deutsche Lebensmittel-Einzelhändler Edeka meldete Ausfälle. Das Sortiment an Milchprodukten sei teilweise eingeschränkt, sagte Sprecher Alexander Lüders. Nach Angaben des Bundes Deutscher Milchviehhalter werden derzeit nur 20 Prozent der Milch ausgeliefert, rund 70 Prozent aller Milchbauern in Deutschland beteiligten sich an den Boykotten.

Seit vergangenem Dienstag protestieren deutsche Bauern mit einem Lieferboykott gegen aus ihrer Sicht zu niedrige Milchpreise. Die Landwirte fordern einen Literpreis von 43 Cent. Derzeit werden je nach Region zwischen 27 und 35 Cent gezahlt.

Einige Molkereien mussten wegen der Blockaden die Produktion einstellen. Die Bauern, die höhere Milchpreise verlangen, waren zu Wochenbeginn dazu übergegangen, nicht nur die Lieferungen zu stoppen, sondern auch Molkereien zu blockieren. Polizisten räumten Straßensperren. Eine blockierte Molkerei in Mecklenburg erstattete Anzeige gegen die Bauern. Sie wirft ihnen Nötigung und schwere Eingriffe in den Straßenverkehr vor. Ärger droht den Milchbauern auch vonseiten des Bundeskartellamts. Es prüft, ob der Boykottaufruf rechtswidrig ist.