Der Anfang ist gemacht. Nachdem Hillary Clinton gestern Abend ihren 500 Mitarbeitern bei einer Poolparty in ihrem Washingtoner Haus Dank gezollt hatte, muss sie sich heute einem größeren Publikum stellen. Ihre Anhänger, die Demokratische Partei, ganz Amerika und die halbe Welt werden den Schlussakt dieses Vorwahl-Dramas mitverfolgen. Um 12 Uhr mittags, also um 18 Uhr deutscher Zeit, will Clinton im reich verzierten Auditorium des Washingtoner National Building Museums ihre Abschiedsrede halten.

Die pompöse Umgebung ist dem Anlaß angemessen. Denn von Clinton wird eine perfekte Inszenierung erwartet. "Sie muss elegant sein, versöhnlich, authentisch, selbstlos und hundertprozentig hinter ihrem ehemaligen Rivalen stehen", fasst der Kabelsender Fox News zusammen. Gleichzeitig darf sie ihre Anhänger nicht enttäuschen.

Clintons halbherzige Anerkennung von Obamas Sieg hat am vergangenen Dienstag viele Demokraten enttäuscht. Der San Francisco Chronicle prangert dies als "zutiefst besorgniserregende Taktik" an. Das magische Wort "Endorsement", also die explizite, volle Unterstützung des Präsidentschaftskandidaten, lässt noch auf sich warten. Dass Clinton ihre Rückendeckung heute zusagt, ist klar, doch wie diese formuliert sein wird, ist eine ganz andere Frage.

Die Symbolkraft steckt im Detail. Wird sie ihre Kampagne "aussetzen", sich also weiteres Fundraising sowie einen Rückweg in die Kandidatur vorbehalten, sollte Obama aus irgendwelchen Gründen nicht antreten können? Oder wird sie tatsächlich offiziell von "beenden" sprechen? Wird sie ihre gut 1900 gewonnenen Delegierten frei geben oder dazu vorerst schweigen? Da die Wahlmänner auf dem Parteitag im August auch ohne ihre ausdrückliche Aufforderung für Obama stimmen dürfen, hat dies keine konkreten politischen Auswirkungen. Aber es wäre "ein Zeichen ihres guten Willens", kommentiert die Zeitschrift Congressional Quarterly .

"Samstag ist der Tag, an dem Mrs. Clinton sich von einer Wahlkämpferin in eine Cheerleaderin verwandelt", analysiert die BBC . Denn die Siegeschancen der Demokratischen Partei werden nicht zuletzt davon abhängen, wie engagiert sich die Vorwahl-Verliererin für die Einigkeit der Partei und die Motivation ihrer 18 Millionen Wähler einsetzt.

Kampagnen-Manager Terry McAuliffe versucht, die Befürchtungen zu zerstreuen. Er verspricht eine "mitreißende" Rede. "Es ging doch nie um die Person Hillary Clinton, sondern immer nur um die Themen, die ihr am Herzen liegen."