Eine Geschichte, die wie eine Legende klingt, aber die pure Wahrheit enthält: Der deutsche Künstler A.R. Penck gab dem deutschen Bassisten Peter Kowald und dem afroamerikanischen Bassisten William Parker eine Plastiktüte mit 50 000 Mark, damit sie etwas Aufrichtiges, Wahrhaftiges veranstalten. So entstand vor über 20 Jahren der Vorläufer des New Yorker Vision Festivals . Noch immer hat dieses einzige von Musikern selbst organisierte Festival in Amerika, das sich der improvisierten afroamerikanischen Musik widmet, keine feste Spielstätte gefunden.

Vor vier Jahren war sie noch mit einem Bus nach Ohio gefahren, um sich für den damaligen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Kerry und gegen die Wiederwahl Bushs zu engagieren. Heute ist Patricia Nicholson Parker skeptisch, es scheint, dass man beim diesjährigen Vision Festival den Namen Obama kaum auszusprechen wagt. Die Enttäuschung darüber, dass man Bush nicht verhindern konnte, sitzt tief. Jeder hier möchte Obama, doch noch ist er nicht Präsident und bis zur Wahl könne noch viel passieren, sagt die engagierte Festivalleiterin.
Vor zwei Jahren glaubte sie noch, dass ihr Festival umziehen könnte in das teure Midtown Manhattan. Doch das kommt ihr jetzt schon wieder so lang her vor, nach mehreren Festivalgängen in der ältesten Synagoge im Osten Manhattans, fand das Vision Festival diesmal nur wenige Straßenecken entfernt im Kulturhaus Clemente Soto Velez statt. Bis zur letzten Minute halfen hier viele Musiker und Freiwillige aus der Nachbarschaft mit, um die große Bühne aufzubauen und die Räumlichkeiten festivalreif zu gestalten.Aufrufe dafür gab es via e-mail an die Mitglieder der von Patricia Nicholson Parker gegründeten Künstlerinitiative RUCMA (Rise Up Creative Music and Arts), zwischen 40 und mehreren Hundert würden je nach Anliegen aktiv auf die RUCMA Mails reagieren, berichtet Parker.


RUCMA gibt es, nachdem im April vergangen Jahres der letzte größere Veranstaltungsort für experimentelle Musik in Manhattan schließen musste. Seitdem bemüht sich Parkers Gruppe um Kontakt zu lokalen Politikern, damit die Stadt New York einen Veranstaltungsort für die New Yorker Downtown Avantgarde zur Verfügung stellt. Parallel dazu veranstaltet man auf eigene Kosten Konzerte, Tanzvorführungen und Dichterlesungen in der Nachbarschaft, doch kaum ein Künstler kann mehr die Mieten bezahlen, die heute in Manhattan aufgerufen werden. Vor 30 Jahren unterstützte New York gezielt seine Avant-Künstler mit subventionierten Wohnungen, heute kann es sich kaum einer der beim Vision Festival auftretenden Musiker leisten, eine Wohnung in der Lower East Side anzumieten. Da die Gentrifizierung jedoch nicht aufzuhalten ist, kämpft RUCMA mittlerweile auf mehreren Ebenen, um die Stadt zum Handeln zu bewegen.
Das Zentrum von Parkers Aktivitäten ist das alljährliche Vision Festival, das gerade zum 13. Mal stattfand.