Es war einmal eine SPD, die eine einfache Botschaft vermitteln wollte: Dass die Deutschen länger arbeiten müssen, wenn sie insgesamt älter werden. Um das zu verstehen, so sagte es der frühere Vizekanzler Franz Müntefering, brauche man kein Mathematiker zu sein, dafür reiche "Volksschule Sauerland". Die Partei hatte da gerade unter Schmerzen die Rente mit 67 beschlossen.

Nun dreht sie das Rad zurück, als sei das alles nicht gewesen. An diesem Montag hat das SPD-Präsidium ein Papier verabschiedet, in dem sie fordert, dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) auch weiterhin Altersteilzeit fördern darf. Anstatt den Milliarden-Zuschuss wie geplant im Jahr 2009 auslaufen zu lassen, soll er bis 2015 fließen. Derzeit kostet die Förderung die BA rund 1,3 Milliarden Euro pro Jahr.

Doch damit nicht genug. Die SPD überholt sogar die IG Metall, indem sie verlangt, dass die Arbeitnehmer in Deutschland künftig die so genannte Teilrente schon mit 60 in Anspruch nehmen können, statt mit 63. Das alles ist – um es kurz zu sagen – ökonomischer Unfug. Und es wird der SPD langfristig mehr schaden als nutzen.

Natürlich ist es legitim, wenn sich die Sozialdemokraten um die Sorgen der Arbeitnehmer im Land kümmern. Und es ist richtig, dass ein Industriearbeiter nach vielen Jahren Schwerstarbeit ein Recht auf Ruhestand hat.

Derartige Härtefall-Regelungen aber sollten Sache der Tarifparteien sein, nicht des Gesetzgebers. Noch dazu erweisen Sozialdemokraten mit ihrem Plan, der gut gemeint sein mag, den Alten im Land einen Bärendienst – und der Gesellschaft gleich mit.

Drei Argumente sprechen gegen die Ideen der SPD. Erstens steuert Deutschland auf einen Fachkräftemangel zu, der schon jetzt spürbar ist. Die Unternehmen sind in Zukunft auf die Alten angewiesen. Die jüngsten Reformen haben dazu geführt, dass nicht mehr nur 40 Prozent aller Menschen in Deutschland über 55 arbeiten, sondern mittlerweile rund 50 Prozent. Setzt die Politik nun weitere Anreize zur Frühverrentung, konterkariert sie ihre eigene Politik, die dafür sorgen sollte, dass mehr Menschen im Alter arbeiten.