"Es dringen kaum Informationen aus Tibet nach außen, aber was wir wissen, ergibt ein düsteres Bild willkürlicher Verhaftungen und Misshandlungen von Gefangenen. Vielleicht bringt die Fackel ja mehr Licht in dieses Dunkel", sagte AI-Abteilungsleiter Sam Zarifi am Mittwoch in der Londoner Zentrale der Menschenrechtsorganisation. Das olympische Feuer erreicht vermutlich am Samstag Lhasa, die Hauptstadt Tibets.

China müsse unabhängige Beobachter nach Tibet lassen, forderte Zarifi. In einem aktuellen Bericht zur Menschenrechtslage in Tibet spricht die Organisation von mehr als 1000 Menschen, die seit Ausbruch der Proteste im März verhaftet worden seien - ohne Anklage oder konkrete Tatvorwürfe. Viele von ihnen seien gefoltert worden, hätten weder Zugang zu ihren Familien noch zu Anwälten. Unter Berufung auf das tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) spricht der Bericht von bis zu 120 Menschen, die im Zuge der Proteste durch ausufernde Gewalt der Sicherheitskräfte ums Leben gekommen seien; die tibetische Exilregierung spreche sogar von mehr als 200 Todesopfern.