Der Schweizer Sender TSR berichtet, die Sicherheitsfirma Securitas habe für Nestlé 2003 Spione in globalisierungskritische Gruppen eingeschleust. Die Organisation Attac vermutet nun, auch von einer Securitas-Agentin überwacht worden zu sein.

Attac ist davon überzeugt, dass die Frau sich mit falschem Namen im Auftrag von Nestlé und Securitas in dem Netzwerk eingeschleust hat. Sie selbst soll angegeben haben, dass sie an einem Buchprojekt mitarbeiten wolle, an dem Autoren von Attac zu jener Zeit schrieben.

Das Buch sollte die Aktivitäten des weltweit agierenden Konzerns kritisch beleuchten. Die Rechercheergebnisse soll die Frau sodann direkt an Nestlé weitergegeben haben. Später sei sie spurlos verschwunden. Die Autorengruppe hat Klage gegen Nestlé eingereicht.

Nestlé gibt zwar zu, Securitas beauftragt zu haben. Aber nur, um "angemessene Maßnahmen" zur Sicherheit während des G8-Gipfels 2003 im französischen Evian zu ergreifen. Damals seien Demonstrationen gegen das am Genfer See ansässige Unternehmen angekündigt worden.

Nestlé-Sprecher Robin Tickle sagte, man habe die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter und Einrichtungen sicherstellen müssen.

Der Generalsekretär von Securitas, Reto Cassut, bestätigte den Auftrag von verschiedenen Unternehmen im Rahmen des G8-Gipfels, wollte Nestlé aber nicht namentlich nennen. "Der G-8-Gipfel war außergewöhnlich und wir haben ausnahmsweise außergewöhnliche Mittel angewandt", sagte er. Mit der Einschleusung von Agenten habe man einen "Informationsvorsprung" bekommen wollen, welche Veranstaltungen und Aktionen die Globalisierungskritiker planten.

Cassut bestätigte ZEIT online , dass auch die Spionin mit dem Decknamen Sara Meylan für Securitas gearbeitet habe. Für welchen Kunden, wollte er jedoch nicht sagen. "Es trifft zu, dass sie auch nach dem G8-Gipfel noch bei Attac war. Man kann sich ja nicht sofort zurückziehen, das würde auffliegen", so Cassut. Der Fernsehjournalist Jean-Philipp Ceppi sagte, Meylan habe sich nachweislich im März 2004 mit dem Sicherheitschef von Nestlé getroffen, um Bericht zu erstatten. "Diesen Besuch kann ich nicht bestätigen", sagte Securitas-Chef Cassut.