Richtig ist, dass Deutschland ein Bildungsproblem hat: zu viele Schulabbrecher, zu wenig Chancen für Einwandererkinder, zu wenig Studenten. Daran haben dieser Tage Wissenschaftler in einem "Nationalen Bildungsbericht" erinnert. Richtig ist aber leider auch, dass erschreckend einfältig darüber diskutiert wird.

Ein Beispiel gefällig? Die Wissenschaftler beklagen in ihrem Bericht die Ineffizienz des sogenannten Übergangssystems. Damit sind jene "Maßnahmen" gemeint, in denen Schulabgänger landen, die keinen Ausbildungsplatz bekommen; dort sollen sie eigentlich für eine Ausbildung fit gemacht werden.

Aber ein Viertel der Jugendlichen hat zweieinhalb Jahre nach Schulende noch immer keinen Ausbildungsplatz, bei den Jugendlichen mit und ohne Hauptschulabschluss sind es sogar 40 Prozent.

Viele Zeitungen haben in den vergangenen Tagen daraus fälschlicherweise ein "ungelöstes Hauptschulproblem" gemacht. Und die Lehrergewerkschaft GEW fordert ebenso wie die Grünen einmal mehr die Abschaffung der Hauptschule. Nun muss man aber wissen, dass es ein Unterschied ist, ob jemand die Hauptschule besucht oder ob er einen Hauptschulabschluss macht. In Nordrhein-Westfalen etwa wird fast jeder zweite Hauptschulabschluss an einer Gesamtschule abgelegt. Die Wissenschaftler wollten auf das Problem der gering Qualifizierten aufmerksam machen, jener Jugendlichen, die maximal einen Hauptschulabschluss erreichen, unabhängig davon, welche Schule sie besucht haben. Von einem Problem der Hauptschule als Schulform war bei ihnen nicht die Rede. Das entstand erst in den Medien und bei Politikern, die die Hauptschule sowieso abschaffen wollen.

Dies soll kein Plädoyer für die Hauptschule sein, sondern eines für die Klarheit in der Analyse. Wer dazu zu faul ist oder ihr bewusst ausweicht, der wird die zweifellos vorhandenen Probleme unseres Bildungssystems nicht lösen. Er wird selbst zum Problem.