Die endgültige Entscheidung will die Linke allerdings erst nach der bayerischen Landtagswahl Ende September fällen, berichtet die Welt am Sonntag . Fraktionschef Gregor Gysi widersprach Berichten, wonach der Grundsatzbeschluss für eine eigene Kandidatin bereits gefallen sei.

Bei der Wahl des nächsten Staatsoberhaupts am 23. Mai 2009 tritt der amtierende Bundespräsident Horst Köhler wieder an. Er hat die Unterstützung von Union und FDP. Die SPD hat gegen ihn - wie schon 2004 - die Hochschulprofessorin Gesine Schwan nominiert. Sie ist auf die Unterstützung der Linken und der Grünen angewiesen. Auch die Grünen wollen erst nach der Bayern-Wahl entscheiden. Denn erst dann steht die Zusammensetzung der Bundesversammlung fest, die den Präsidenten wählt.

Gysi sagte laut Tagesspiegel am Sonntag , es wäre ein «ganz schönes Opfer», auf einen eigenen Kandidaten oder eine Kandidatin zu verzichten. Schließlich bekomme man so die Aufmerksamkeit der Medien und könne «eigene Positionen rüberbringen».

Die «Welt am Sonntag» zitierte Linke-Fraktionskreise mit den Worten, sowohl Wolf als auch die Schriftstellerin Daniela Dahn seien «respektable Namen», mit denen man ein Zeichen setzen könne. Die 79-jährige Wolf ist durch Bücher wie «Der geteilte Himmel» und «Kassandra» bekannt. Parteisprecher Hendrik Thalheim sagte, bislang habe man mit keiner potenziellen Kandidatin gesprochen.

Selbst wenn die Linke wie in der Vergangenheit eine eigene Kandidatin aufstellt, könnte sie im dritten und entscheidenden Wahlgang Schwan unterstützen. Dann reicht die einfache Mehrheit. Auch 2004 hatte - neben Vertretern von Union und FDP - auch eine ganze Reihe von Abgeordneten der damaligen PDS für die SPD-Kandidatin gestimmt.

Es wäre im übrigen nicht das erste Mal, dass eine Schriftstellerin für das Amt des Bundespräsidentin kandidiert. 1984 hatten die Grünen Luise Rinser aufgestellt. Die PDS schickte 1999 die Theologieprofessorin und Präsidenten-Tochter Uta Ranke-Heinemann ins Rennen.