Vom Mainstream bis zur Randgruppe – im Zeitschriftenhandel wird jeder fündig. Jäger, Sammler, Sportler und Sportaffine, natürlich auch Computerfreaks. Und was machen die, wenn sie nicht gerade pokern, gamen oder chatten? Sie hören Musik! Und das gern gratis. Das PC-Magazin titelt feist: "Musik-Site geknackt – Mit Supertrick Zugang zu 400.000 MP3s – 100 % virenfrei." Glückwunsch, nun knacke noch einer die Zeit, damit sie sich zum Hören von 400.000 Liedern erübrigen lässt. Gibt es eigentlich auch Magazine für Einbrecher? "Warum Tür eintreten? Einfach sprengen!" oder "Bolzenschneiden wie die Profis", "Überfall ohne Personenschaden"? Nein, denn Einbruch ist aus der Mode, zumindest physisch. Reden wir doch lieber weiter über Supertricks, um an Musik zu gelangen: Man könnte in den Plattenladen gehen. Dort findet zwar mancher nur eine Platte, aber diese will er dann auch wirklich hören.

Der kernige Pianist aus Schweden, Esbjörn Svensson, ist am Samstag bei einem Tauchunfall verstorben. Alex Rühle hat für die SZ einen Nachruf verfasst: "Wenn er in Cargohose und Muskelshirt die Bühne betrat, wenn er sich zwischen den Nummern wie ein Tennisspieler Gesicht und Hände abtrocknete und ein paar Schluck aus seiner Flasche nahm, signalisierte er immer auch: Kinder, das hier ist Musik mit Bauchmuskeln. Rückhandvolleyjazz. Manche seiner Improvisationen glichen technoidem Pulsen, in solchen Momenten schmiegten sich seine Improvisationen in ihrer linearen Eleganz so glatt an die Themen wie eine enge Läuferhose an ein schön geformtes Bein. Manchmal aber brach es in den Konzerten geradezu rachmaninoffisch aus ihm heraus, er konnte sich dann oktavgreifend in winzige Patterns hineinwühlen, sie verflüssigen wie Klangmagma." Für ZEIT online hat Maxi Sickert eine Würdigung geschrieben .

Manche sterben unerwartet – andere überraschen das Publikum durch ihren Überlebenswillen: Mark E. Smith, der Anführer der Punkrockgruppe The Fall, hechtet von Platte zu Flasche, von Zerwürfnis zum Exzess. Und das seit mehr als 30 Jahren. Da ist es nun Zeit, zurückzublicken und ein Buch über das eigene Leben zu schreiben. Christian Werthschulte hat es für die taz gelesen und erkennt ihn wieder, "den Künstler, der die Bodenhaftung nie verloren hat, der harte Arbeit ebenso schätzt wie spontane Kreativität und dem assoziierenden Monolog den Vorzug vor nervenzermürbendem Smalltalk gibt". Letztlich hört der Kritiker lieber Smiths Musik, denn die "Welterklärungen der Person Mark E. Smith erweisen sich mit fortgeschrittener Lesedauer als redundante Wiederholung, bei der schon viel guter Willen nötig ist, um sie als Stilistik zu verstehen. Er nervt immer ein wenig. Nicht nur, weil diese Ansichten bereits in unzähligen Interviews nachzulesen waren, sondern auch, weil MES, wie ihn seine Fans nennen, in seinem Wortschwall gerne einen eher abgehalfterten Humor bemüht."