Thema heute: Italien, natürlich. Sympathisches Land eigentlich, fragt sich bloß, warum dessen Fußball so unsympathisch ist. Zu viele Haarbändchen? Zu viele faschistische Fans? Zu viel überhebliche goldene Kragen am Trikot? Zu viel catenaccio, immer noch?

Schon am frühen Morgen jedenfalls, noch im Halbschlaf, schleicht sich der wankende Weltmeister herein. Ich träume, die Mannschaft kratze sich am Ende doch noch mit ä Hönnerkläuke, wie man bei uns am Niederrhein sagt, mit einer Hühnerkralle irgendwie ins Viertelfinale. Und wenn sie dort einmal sind, die Italiener, dann kommen sie auch bis ins Finale. Sagen wir es gleich: Es ist ein Albtraum. Denn ein bisschen nachtragend muss sein.

Das WM-Aus der Deutschen im Halbfinale ist bis heute nicht vergessen, jedenfalls nicht von mir. Um das Glück diesmal zu zwingen, habe ich schon vor Wochen den Chefredakteur zu einer Wette animieren wollen: Alles kann geschehen, nur nicht, dass Italien Europameister wird. Aber Giovanni di Lorenzo, der berühmt ist für seine Wetten, bei denen es um feinen Barolo oder einzigartige Mettwürste aus Bremen geht, der Chef und Italienfan, wollte sich diesmal auf nix einlassen.

Wenn schon er nicht auf seine Mannschaft setzen will, dachte ich, werden wir uns wohl diesmal nicht fürchten müssen vor diesem eiskalten Erfolgsfußball, dessen Geheimnis ich noch immer nicht begriffen habe. So tröste ich mich übers Frühstück und den Vormittag.

Und dann sind die Italiener doch wieder da, in einer Veranstaltung, in der ich sie am wenigsten erwartet habe: in der Feuilleton-Planungskonferenz. Warum das Verhältnis der Deutschen zu Italien so viel schlechter geworden sei - ob das nicht mal ein Thema sei, vielleicht sogar für einen Titel, fragt ein Kollege. "Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn ...? Kennst du es wohl? Dahin! Dahin möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn!" Goethe, Mignon, ewiges deutsches Sehnen nach dem Süden - tempi passati. Was ist geschehen?

Zum einen haben die Italiener Berlusconi wieder mal gewählt, obwohl wir ihnen doch 1000 gute Gründe dagegen genannt haben. Wir machen doch auch nicht Matthias Döpfner zum Kanzler! Dann fängt die Mafia, die wir bisher für eine süditalienische Folklore-Veranstaltung gehalten haben, plötzlich an, in Duisburg rumzuballern, in echt. Und schließlich müssen wir auch noch den italienischen Dreck wegmachen, hier oben in Hamburg, in unserer Müllverbrennungsanlage.