ZEIT online: Präsident Lula gab dem brasilianischen Außenministerium eine eigene Energieabteilung. Wozu?

André Aranha Corrêa do Lago: Wirtschaftliche Entwicklung ist ohne Energie nicht denkbar. Zugleich ist Energie ein starker Integrationsimpuls. Lateinamerika, vor allem Südamerika, verfolgt das sehr klare Ziel, seine Energieressourcen zu integrieren.

ZEIT online: Was genau sind die Ziele Ihrer Abteilung dabei?

Aranha Corrêa do Lago: Wir sind noch sehr jung, deshalb haben wir keinen festen Plan, den wir nur konkret umsetzen müssten. Unsere klare Priorität liegt auf Südamerika. Energie ist eines der Hauptthemen in unseren Beziehungen zu wichtigen Nachbarn wie Venezuela oder Bolivien, seit Kurzem auch Argentinien und traditionell Paraguay.

Wir haben sehr interessante Erfahrungen mit erneuerbaren Energien gemacht. 54 Prozent von Brasiliens Energie ist erneuerbar, der Durchschnitt der OECD-Mitgliedsländer liegt nur bei 6 Prozent. Wasserkraft ist sehr wichtig, aber auch Biotreibstoffe. Unsere wichtigsten Energiequellen sind erstens Öl, zweitens Biotreibstoffe und drittens Wasserkraft.

ZEIT online: Welche Energiequelle ist wichtiger für die Außenpolitik, Öl oder Ethanol?

Aranha Corrêa do Lago: Beide sind wichtig. Öl und Gas spielt in den Beziehungen zu unseren Nachbarn eine Rolle, im Aufbau von Infrastruktur. Wir beziehen Gas aus Bolivien und prüfen, eine Gasleitung mit Venezuela zu bauen, mit Argentinien und Uruguay. Was Öl betrifft, hat sich die Situation gerade durch die Entdeckung sehr wichtiger Ölreserven in Brasilien verändert. Öl ist sehr wichtig, weil einer unserer Nachbarn, der gerade dem Mercosur beitritt, einer der größten Ölproduzenten der Welt ist: Venezuela.

ZEIT online: Was ist mit Biotreibstoffen?

Aranha Corrêa do Lago: Ethanol steht dafür, dass Brasilien als Entwicklungsland seine Erfahrung an andere Entwicklungsländer weitergeben kann. Es ist ein glücklicher Zufall, dass Zuckerrohr vor allem in ärmeren Ländern, etwa in Afrika oder Asien, gut gedeiht. Biosprit ist aber keine Lösung für sie alle. Deshalb helfen wir diesen Ländern, Machbarkeitsstudien zu erstellen. Zweitens zeigen wir unseren Kooperationspartnern, wie sie eine eigene Industrie starten können. Der dritte Schritt wird sein, für einen internationalen Markt für Biotreibstoffe zu kämpfen. Denn wenn die USA und Europa Biosprit stärker nutzen wollen, ist das eine außergewöhnliche Gelegenheit für Länder beispielsweise in Afrika, mit Hilfe von Zuckerrohr Einkommen und zugleich günstige Energie zu erzeugen. Energie ist für die Entwicklung Afrikas ein Schlüsselfaktor.