Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung soll Hintze Industriekommissar Günther Verheugen nachfolgen, der im nächsten Jahr aus Altersgründen aus dem Amt scheidet. Entsprechende Vorabsprachen habe Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel mit Hintze getroffen. Das Blatt beruft sich auf Regierungs- und Unionskreise.

Ein Regierungssprecher wies die Darstellung allerdings als unzutreffend zurück. Wann die Entscheidung über die Nachfolge Verheugens fallen soll, ließ der Sprecher offen.

Union und SPD streiten seit Längerem, welche Partei künftig den deutschen Kommissar stellen soll. Eine formelle Regelung dafür gibt es nicht. Die SPD fordert, dass der Kommissar wieder aus ihren Reihen kommt. Die CDU dagegen verweist darauf, dass dies nirgendwo, auch nicht im Koalitionsvertrag, geregelt ist und sie schon lange keinen Brüsseler Kommissar mehr gestellt hat. Dem Bericht zufolge will Merkel der SPD als Ersatz den formal gleichrangigen, aber weniger prominenten Posten des Generalanwalts beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg anbieten.

Hintze ist ausgewiesener Außenpolitiker. Als derzeitiger Wirtschaftsstaatssekretär und Regierungskoordinator für die Luft- und Raumfahrt wäre er auch fachlich für die Nachfolge Verheugens geeignet. Allerdings dürfte die SPD schon deshalb starke Einwände gegen ihn haben, weil er 1994 für die "Rote-Socken"-Kampagne der CDU verantwortlich war, die damals erheblich zur Wahlniederlage Rudolf Scharpings beitrug.