"Die Menschen mögen einzelne Aspekte der Politik in Brüssel nicht, etwa weil sie nicht hinreichend transparent ist", sagte Schäuble der Welt am Sonntag . "Ich bin aber ganz sicher, dass wir in Europa insgesamt eine klare Mehrheit für den Fortgang der europäischen Einigung haben." Als einen Weg für mehr Bürgernähe nannte der CDU-Politiker die Direktwahl des künftigen Präsidenten des Europäischen Rates.

Schäuble, der bereits 1994 ein Europa der zwei Geschwindigkeiten gefordert hatte, riet dazu, das irische Nein nicht überzubewerten. "Natürlich müssen wir die irische Abstimmung ernst nehmen. Aber es kann ja nicht sein, dass ein paar Millionen Iren für 495 Millionen Europäer die Entscheidung treffen", sagte er. "Ich glaube nicht, dass die europäische Einigung an dem irischen Referendum zugrunde geht", so Schäuble weiter. "Jetzt müssen die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel am kommenden Wochenende eine Lösung finden, dass es jetzt keine größere Krise gibt."

Die Iren hatten am Donnerstag in einem Referendum gegen den Vertrag von Lissabon gestimmt, der die EU nach jahrelanger Reformdebatte demokratischer und handlungsfähiger machen soll. Irland hielt als einziger Mitgliedstaat eine Volksbefragung ab, weil dies in seiner Verfassung vorgeschrieben ist. Alle anderen EU-Staaten lassen die Parlamente entscheiden. Inzwischen haben 18 Länder, darunter auch Deutschland, dem Vertragswerk zugestimmt.