So fühlen sich Kleinstadtsommer an: Die Welt riecht noch nach Gras und Sonnencreme, die Hände sind klebrig vom letzten Eis, und alles ist möglich. Dann geht’s hinaus ins Leben. Hereinspaziert in die Erwachsenenwelt! Dort lauert dann das Unheil, der Stoff, aus dem viele junge Autoren ihre Geschichten kneten. Manche brauchen dafür Partys, Drogen und das unvermeidliche Berlin für ein Abgründchen, das sie hinterher Roman nennen.

Finn-Ole Heinrich braucht dafür nur die Kleinstadt und die Konstellation seiner zwei Hauptfiguren. Der Erzähler Janik: Lehrerkind, seine Eltern führen ein Maxmustermannleben zwischen Biokost und Nächstenliebe, vor dem Stakketzaun blüht der Vorgarten. Dagegen Samuel. Janiks bester Freund aus schwierigen Verhältnissen. Dessen Mutter beschreibt Heinrich so:

„Sie ist eine Pennerin. Nicht so richtig, weil sie nicht wirklich auf der Straße lebt, sondern dank Samuel noch eine Wohnung hat. Aber sie ist arbeitslos und hängt den ganzen Tag über betrunken mit den richtigen Pennern rum.“

Deswegen wohnt Samuel bei Janik, hat sein eigenes Zimmer, trägt „scheißteure Sneaker“ und legt seine Hände sauber auf den Esstisch. Er stellt seine Schuhe ordentlich vor sein Bett und saugt sein Zimmer. Auf den ersten Blick ist auch Samuel ein Kind aus gutem Haus. „Es sind die Räuberhände, die ihn verraten“, heißt es.

Im Kern seiner Geschichte steht der Wunsch der beiden nach dem Leben des anderen. Samuel sehnt sich nach Ordnung, nach Halt. Sein bester Freund Janik indes nach Chaos. Seine Mustereltern betrachtet er mit Ekel, macht sich lustig über deren Großherzigkeit und frischgepressten Säfte. „Wenn ich ein Hund wäre, ich würd’ an ihren Zaun pissen.“