Die Texte für diese Kolumne entstehen in der Regel am Vormittag. So geschieht es auch gerade. Allerdings, anders als sonst, befinden wir uns nicht auf der Terrasse unseres Hotels in Ascona, sondern, es ist kurz nach zehn Uhr, an Bord einer Chartermaschine, auf dem Weg nach Klagenfurt. Mit uns an Bord sind die Kollegen. Sie haben den Ständer mit den deutschen Zeitungen am Flughafenkiosk von Lugano leer gekauft und lesen jetzt ihre eigenen Texte, dann die Texte der Kollegen. Einer, hier gerade rechts vor mir, liest ein Buch – manche schlafen.

Die ersten vier Reihen sind von jungen, attraktiven Damen besetzt. Da wir selbst, besonders während der Arbeit, für solche Signale total unempfänglich sind, bedurfte es des wie immer dezent-präzisen Hinweises des Kollegen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung , um uns darauf aufmerksam zu machen, dass es sich um eine Auswahl an Spielerfrauen handelt. Unterwegs, um ihre Lebensgefährten beim Spiel gegen Kroatien zu unterstützen.

Sollten wir hier alle noch bis zum Finale durchhalten, werden noch 17 Kolumnen zu schreiben sein, diese hier nicht eingerechnet. So bitte ich um Nachsicht, dass wir uns das dankbare wie komplexe Thema Frauen im Allgemeinen und Spielerfrauen im Speziellen für einen späteren Zeitpunkt aufsparen. Heute soll es vornehmlich um Kroatien gehen.

Die Spieler flogen bereits gestern am frühen Nachmittag nach Klagenfurt. Aber auch in ihrer Abwesenheit wird viel geredet in Ascona. Gestern unter anderem erneut über das komplizierte Verhältnis zwischen erster und zweiter Welt . Vieles konnte geklärt werden. Auch auf der abschließenden Pressekonferenz vor dem Abflug der Mannschaft wurde darüber geredet. Auf dem Podium saßen Arne Friedrich, der Verteidiger von Hertha BSC und Hansi Flick, Co-Trainer. Ihr Thema war, unter anderem, die Lobeshymne, die Joachim Löw am Vortage auf eben diesen Friedrich gesungen hatte. Jener, so hatte Löw gesagt, sei noch nie so gut drauf gewesen wie zurzeit.

Darauf angesprochen sagte wiederum Friedrich, ja, das stimme, er fühle sich körperlich und "mental" so fit wie noch nie. Das habe auch damit zu tun, dass er seit einigen Monaten im Dialog mit einer Psychologin sei. Näheres wollte er auf Nachfrage dazu nicht sagen. Stattdessen sagte er, dass er "natürlich hoffe", bald zum Einsatz zu kommen. Dass er damit rechne, hat er nicht gesagt. Aber die Art, wie er das sagte, deutete darauf hin, dass diese Hoffnung tatsächlich eher eine Erwartung sei.

Neben Friedrich saß Hans-Dieter Flick, der Co-Trainer, der sich zuvor bei seinem Statement seltsam schwer damit getan hatte, auf die Frage nach seinen genauen Aufgaben auch nur eine einzige aufzuzählen. (Was dann, gewissermaßen in einer kühnen Rettungstat auf der Linie, der Kommunikationsdirektor Stenger tat und etwas erzählte von "Datenbanken", die zu füllenm, und "künftige Gegner", die zu beobachten seien). Zum Thema Arne Friedrich jedoch hatte Flick, genannt "Hansi", eine ungleich präzisere Antwort: "Friedrich wird bei dieser Europameisterschaft eine wichtige Rolle spielen."