Ein Bericht des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) kommt zu dem Ergebnis, dass das Telefonieren mit dem Handy nicht nachweislich zur Entstehung von Tumoren beiträgt. Auch schnurlose Telefone oder deren Basisstationen nach DECT-Standard in der Nähe des Betts steigerten das Risiko für bösartige Neubildungen im Gehirn nicht, heißt es in einem ausführlichen Papier des BfS, das Bundesumweltminister Sigmar Gabriel am Dienstag der Öffentlichkeit vorstellte. Laut Bericht ist auch ein Zusammenhang zwischen Funktelefonen und Kopfschmerzen oder Schlafstörungen nicht belegbar.

Das BfS fasst mit dem Dokument die Ergebnisse von mehr als 50 Forschungsprojekten zusammen, die zwischen 2002 und 2006 innerhalb des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms die Risiken des wachsenden Strahlungsnetzes beleuchten sollten. Eine der zentralen Frage war, ob die Mikrowellen von Handys oder schnurlosen Telefonen unmittelbare und langfristige biologische Schäden anrichten. In Laborversuchen wurden dabei tatsächlich geringe Veränderungen in der Aktivität des Erbguts von Zellen beobachtet. Das stelle die Gesamtbeurteilung aber nicht infrage, hieß es nun im Abschlussbericht.

Mögliche langfristige Risiken, vor allem für Kinder, seien jedoch nicht abschließend geklärt, heißt es beim BfS. Diese Unsicherheiten legten einen «vorsichtigen Umgang mit drahtlosen Kommunikationstechniken» nahe. Nach Angaben der Autoren sind weitere Studien über die Langzeitwirkungen der Geräte notwendig, insbesondere bei Kindern, die mit dem Handy groß geworden seien oder groß würden.

Auch die Weltgesundheitsorganisation prüft im Rahmen der sogenannten Interphone-Studie, ob es ein nachweisbares Krebsrisiko durch Mobiltelefone gibt. Das Projekt vergleicht unter anderem das Telefonier-Verhalten von Krebsopfern mit dem gesunder Handybesitzer und schließt aus den Daten auf mögliche Risiken. Mehrere bereits abgeschlossene Interphone-Teilstudien aus verschiedenen Ländern der Welt - unter anderem aus Deutschland - konnten keine Belege für den Zusammenhang zwischen Handys und Hirntumoren finden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) reagierte insbesondere auf die Tatsache besorgt, dass der Bericht des BfS allein für Erwachsene Entwarnung gibt: «Solange es keine kindgerechten Schutzstandards für die Nutzung von Mobiltelefonen gibt, fordern wir deshalb für Kinder ein Verbot der Nutzung von Handys», sagte BUND-Mitarbeiter Bernd Rainer Müller. Für Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) steht zunächst der Klärungsbedarf hinsichtlich der gesundheitlichen Risiken durch Handys weiter im Vordergrund: «Das ist vor allem bei Kindern, die sehr empfindlich sind, der Fall, und betrifft die Langzeitwirkungen bei Kindern und Erwachsenen», sagte Gabriel.