Bundespräsident Horst Köhler wählt für seine Berliner Rede stets Orte, die zum Thema passen. Als er zur Bildung sprach, tat er das in einer Neuköllner Hauptschule, als er über die Globalisierung redete, stand er vor einem Industriedenkmal.

Diesmal trat der Bundespräsident im großen Saal seines Amtssitzes Schloss Bellevue vor Journalisten, Fernsehkameras und Honoratioren. Ein Heimspiel für den Präsidenten also?

Selbst wenn es so gedacht war: Der Druck war enorm, der auf Köhler an diesem Dienstagnachmittag lastete. Seit der legendären Ruckrede seines Amtsvorvorgängers Roman Herzog 1997 gelten Berliner Reden als hohe Schule für jeden Präsidenten.

In diesem Jahr kam jedoch mehr dazu. Schließlich befindet sich Köhler, seit klar ist, dass er bei seiner angestrebten Wiederwahl Konkurrenz haben wird, als erster amtierender Präsident überhaupt in einer Art Wahlkampf.

Köhler steht also auf, tritt ans Pult mit dem Bundesadler, guckt in seiner bekannt freundlichen Art durch den Raum – und patzt gleich im ersten Satz. Danach hält er sich eng ans Manuskript, gestattet keine Abweichung. Gelacht wird in den folgenden 60 Minuten so gut wie nie, geklatscht nur selten.

Trotzdem ist es keine schlechte Rede, die Köhler da hält. Hatte er sich zuletzt der Themen Bildung und Globalisierung angenommen, so versucht er diesmal die große Synthese. Arbeit, Bildung und Integration beschreibt er als die drei wichtigsten Felder, auf denen Deutschland vorankommen müsse. Allein dass der Präsident das Problem der Integration so hoch hängt, ist bemerkenswert.