Wer sich den Fakten verpflichtet fühlt, der muss zugeben: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich einen Donnerstagabend zu verderben. Eine davon ist, sich das Fußballspiel Deutschland gegen Kroatien anzusehen. 1:2. Mensch Ballack.

Bereits nach zehn Minuten ist klar, dieser Abend erfordert Zuversicht. Zum ersten Mal zeigt die Kamera Slaven Bilic, den kroatischen Trainer. Der Mann trägt einen feinen grauen Anzug, die Hose ist ihm zu weit, aber das macht ihm nichts. Ein Mann, dem die Hose rutscht, kann leicht lächerlich wirken. Nicht so Bilic, der Mann mit dem Feldherrnblick. Seine Spieler haben augenscheinlich den teutonischen Trinkspruch verinnerlicht: "Alles für diesen Moment." Mit diesen Kroaten, das wird schnell klar, wird es nichts mit all den schönen EM-Partys, die an diesem Abend zwischen Glücksburg und Garmisch geplant sind.

Zum Beispiel diese Party in Ahrensburg, einem schönen Ort irgendwo in der unendlichen Weite Schleswig-Holsteins gelegen. Der Fernseher angenehm groß, das Catering italienisch, die Gäste gemessen patriotisch. "Wir schlagen die Kroaten", das sagen alle hier. "Deutschland wird Europameister." Mensch Ballack.

Die Stimmung auf dieser EM-Party, insofern ist sie vermutlich sehr repräsentativ, verdüstert sich rasch. 1:0 durch Srna in der 24. Minute, man könnte jetzt lange über Marcel Jansen reden – man kann es aber auch lassen. Guckt man als Fußballspieler während einer EM besser mehr auf den Ball oder ruhig irgendwo anders hin?