Hat hier irgendjemand „Cordoba“ gesagt? Also wirklich, dieses abgedroschene Klischee. Blöder Name. Kann doch keiner mehr hören. Zumindest seit diesem Augenblick: 49. Minute, 27,8 Meter. Ballack! Mehr war da nicht an diesem Tag des Wunders mit Ablaufdatum. Der Schlusspfiff war eine Erlösung – für beide Seiten.

Der Kommentator des österreichischen Fernsehens, durchaus ein zünftiger Chauvinist, dessen Stimme über eine Stunde lang vor Erregung bebte, brachte es doch noch auf einen akzeptablen Nenner: „Die erste richtige Chance für Österreich – leider erst in der 83. Minute.“ Das war, als Nachwuchsstürmer Jimmy Hoffer zirka zwei Meter neben das deutsche Tor pfefferte. Chancen sehen vielleicht doch ein wenig anders aus.

Eher so wie diese, als Gomez in der 5. Minute einen perfekten Pass von Klose allein vor dem Tor verkübelte. Oder sprang der Ball blöd auf? Nein, lassen wir die Zeitlupe sein.

Einzig zwei Augenblicke blieben von diesem Spiel auch eine Viertelstunde nach dem Ende noch in Erinnerung. Da war einmal der österreichische Abwehrspieler Pogatetz, ein ganz und gar nicht zimperlicher Hüne, der an der Seitenlinie frustriert in den Ball biss, als wollte er uns allen sagen: Aus dem aufgeblasenen Popanz, der in den vergangenen Tagen erzeugt worden war, lasse ich nun alle Luft heraus.

Und da war vor allem dieser Moment der teilnahmsvollen Zärtlichkeit, als Angie und Jogi gemeinsam auf der Tribüne standen , nachdem der bekennende Stoiker samt seines österreichischen Kollegen der Betreuerbank verwiesen worden war. Beide, Tante Kanzlerin und Kumpel Trainer, ratlos. Beide wollten einander damit in diesen wundervollen Minuten des Slapsticks gegen Ende der 1. Halbzeit sagen: Jetzt müssen wir alle ganz, ganz stark sein.

So unterhaltsam kann Chaos sein, wenn auch der Schiedsrichter nicht mehr weiterweiß und deshalb am liebsten das Stadion räumen ließe. Diese Szenen hatten Marx-Brother-Qualität.