Niederlande 4, Frankreich 1. Ich könnte es mir nun natürlich einfach machen und sagen: Was, Sie wundern sich? Lesen Sie doch nach, was ich vor zehn Tagen über die holländischen Offensivkräfte geschrieben habe . Genau so, wie der niederländische Trainer Marco van Basten seinem Chefkritiker Johan Cruyff entgegen halten könnte: Was, Sie finden, wir spielen nicht offensiv genug? Sehen Sie doch, wen ich gestern abend eingewechselt habe.

Zwischen der 55. und der 78. Spielminute, zwischen van Persies Ein- und van der Vaarts Auswechslung, stürmten die Niederlande mit van Nistelroy, van Persie, van der Vaart, Robben und Sneijder. Van Persie, Robben und Sneijder erzielten die Treffer zum 2:1, 3:1 und 4:1. Mehr Offensive geht nicht. Und schönerer Fußball auch nicht.

Aber das Rechthaben ist keine Eigenschaft, die besonders geschätzt wird. Außerdem gilt das Rechthaben im Fußball immer nur bis zum nächsten Spiel. Also, bin ich ehrlich und verrate, warum ich in diesem Jahr von Beginn an auf die Niederländer gewettet habe: Weil sie von allen 16 Mannschaften die meisten HSV-Spieler in ihren Reihen haben. Denn die Meisterschaft der Nationen ist in unserer globalisierten Fußballwelt ja immer auch ein Duell der Vereine.

Wenn die Niederlande und Frankreich auflaufen, stehen sich Manchester United (van der Sar) und der FC Chelsea (Makele, Malouda, Anelka) gegenüber, dann spielt Real Madrid (van Nistelroy, Robben und Sneijder) gegen den FC Barcelona (Henry, Abidal). Und wenn ich EM gucke, gucke ich immer auch ein bisschen HSV.

Natürlich habe ich mich geärgert, als Deutschland vor zwei Tagen gegen Kroatien dilettierte . Aber ich habe auch gedacht: Siehst du, Jogi, das hast du nun davon. Trochowski sitzt auf der Bank und Olic schießt das 2:0. Für Kroatien.

Gestern abend nun haben die Niederlande gegen Frankreich gespielt, und der HSV hat Bayern München geschlagen. Nach 18 Sekunden trat der HSV zum ersten Mal in Erscheinung, aber noch blieb Rafael van der Vaarts Pass in die Spitze in der französischen Abwehr hängen. Eine Minute später holte Nigel de Jong Franck Ribery von den Beinen; wer ab und zu in der Hamburger Nordbank-Arena  zu Gast ist, weiß um die zupackende Art des niederländischen "Sechsers". De Jong misst zwar nur 1,74 Meter, doch in der zweiten Halbzeit, als das niederländische Mittelfeld fast nur noch aus Offensivkräften bestand, füllte de Jong ganz allein den dahinter verbliebenen Raum.