Ziel der umfassenden Untersuchung sei, alle Vermarktungsstufen - von der Landwirtschaft über die Industrie bis zum Einzelhandel - unter die Lupe zu nehmen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung . «Es gibt Vermutungen, dass der Wettbewerb auf dem Milchmarkt nicht ordnungsgemäß funktioniert», zitiert die Zeitung eine Kartellamts-Sprecherin.

Manche Modelle, die jetzt im Umfeld des Milchgipfels diskutiert würden, gäben Anlass zu kartellrechtlichen Bedenken, sagte die Sprecherin laut FAZ weiter. Sehr kritisch sehe man in der Wettbewerbsbehörde nicht zuletzt Überlegungen, einen von den Molkereien finanzierten Milchfonds einzurichten, der überschüssige Milch aufkaufen soll, um die Preise zu stabilisieren, heißt es.

Ein konkreter Verdacht gegen einzelne Unternehmen liege nicht vor. Sollten sich Anhaltspunkte ergeben, würden gegebenenfalls Kartellverfahren eingeleitet, sagte die Sprecherin. Wie lange die Untersuchung dauern wird, stehe noch nicht fest.

Zuvor hatte bereits Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) vor dem geplanten Milchgipfel an diesem Donnerstag in Berlin die Preispolitik der Lebensmittelhandelsketten kritisiert und gefordert, das deutsche Kartellrecht auf den Prüfstand zu stellen. Der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte er: «Wir müssen unser Kartellrecht überprüfen.»

Nach Meinung Seehofers dürfe nicht sein, dass jetzt wegen des Milchlieferstopps ein kartellrechtliches Verfahren gegen Landwirte laufe, gleichzeitig aber die «konzentrierte Marktmacht der Handelsketten» dem Kartellamt keine Beachtung wert sei. «Die Kleinen bekommen Verfahren auferlegt, während die Großen unbehelligt bleiben», kritisierte Seehofer.