Die entscheidende Liste chemischer Substanzen enthält insgesamt 30.000 Stoffe. Seit dem 1. Juni verpflichtet die Europäische Union Unternehmen, die jährlich mehr als eine Tonne der in dem Papier genannten Substanzen produzieren, importieren oder nutzen, die von ihnen gebrauchten Chemikalien bei der Europäischen Agentur für chemische Stoffe ECHA in Helsinki zu registrieren. Bis zum 30. November haben die Firmen Zeit, diese Chemikalien zu melden.

Das ist nur ein Zwischenschritt in einem komplizierten Prozess, vorgeschrieben von der EU-Chemikalienverordnung REACH. Die Verordnung soll der öffentlichen Gesundheit dienen, indem sie die Ausbreitung bestimmter Krankheitsbilder verlangsamt, vor allem Krebserkrankungen. Sie stehen höchstwahrscheinlich in Zusammenhang mit der Aufnahme gefährlicher chemischer Produkte in den Körper.

Unternehmen, die ihren Stoff wie vorgeschrieben registrieren, bekommen eine Frist bis 2018 eingeräumt. Spätestens dann müssen sie der ECHA toxikologische Untersuchungen präsentieren, die aufzeigen, wie jede mögliche Anwendung der Substanzen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit wirken kann. Zu diesem Zweck müssen die Firmen Datenblätter erstellen, die auf dem global harmonisierten System (GHS) der ECHA zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien beruhen. Kommt die Analyse zu dem Ergebnis, einzelne Chemikalien seien gefährlich, kann die ECHA deren Verwendung einschränken oder ganz untersagen.
Unternehmen, die an diesem Verfahren nicht teilnehmen, sollen ihre Produkte nicht mehr verkaufen dürfen.

Die Verpflichtung trifft alle Branchen, denn die zu untersuchenden Chemikalien werden in der Herstellung einer großen Bandbreite von Massenprodukten verwendet. Dennoch scheinen die Unternehmen noch nicht erkannt zu haben, was auf dem Spiel steht. Dies legen zumindest die Daten nahe, die Ernst & Young in Zusammenarbeit mit Eurosif, dem Europäischen Verband für nachhaltiges Investieren, für Le Monde , La Stampa , El Pais , ZEIT Online und Le Temps zusammengetragen hat (s. Tabelle).

Ihnen zufolge gibt nur jedes dritte Unternehmen an, für die von der Verordnung unmittelbar betroffenen Massenprodukte (Ausstattung und Konstruktion in Automobilherstellung und Luftfahrt, Parfüms, Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmittel, Farben, Lacke, Klebstoffe u. a.) zumindest mit den Vorbereitungen begonnen zu haben, um den Anforderungen gerecht werden zu können.

Nur 19 Unternehmen haben bislang Informationen zu REACH veröffentlicht. Die meisten unter ihnen haben eine Art Verwaltungssystem eingerichtet, um die Vorgaben zu erfüllen. Nur zehn haben begonnen, eine Bestandsliste ihrer Substanzen zu erstellen. Vier haben diese Aufstellung abgeschlossen. Sieben haben den zweiten Schritt, die Analyse von Risiken, ins Auge gefasst. Bloß vier haben den gesamten Prozess durchlaufen und sich von mindestens einer als schädlich eingestuften Substanz getrennt.