Gestern gab es gleich zwei gute Nachrichten. Zum einen: Griechenland ist draußen, worüber sich Fritz sehr freut, weil er diesen Fußball so schrecklich fand. Zum anderen: Der SC Charlottenburg hat im entscheidenden Spiel der Meisterschaft gegen den Lichtenrader BC (nicht Lichterfelder wie gestern geschrieben, sorry) gewonnen, worüber ich mich womöglich noch mehr freue als mein Sohn.

Der Spielverlauf war dramatisch, weil der SCC erstmal 0:3 hinten lag. Fritz hat dann mit seinem Anschlusstreffer die Wende eingeleitet. Am Ende stand es 4:3 für unsere Jungs. Der Sieg war übrigens bitter nötig, weil der Drittplazierte TSV Rudow sein Heimspiel gegen den FC Union mit 4:0 gewonnen hat. Nun geht es am nächsten Samstag gegen Hertha BSC, die natürlich Favorit sind.

Hertha hat in Berlin eine absolut dominierende Rolle, weil sie der einzige Erstligist sind und Spieler aus ganz Berlin und Umgebung anziehen. Immerhin haben auch sie in der abgelaufenen Saison schon einmal verloren. (Die heimlichen Helden des Jugendfußballs sind aber die Mannschaften, die ein ganzes, langes Jahr nur auf die Mütze kriegen – und trotzdem weitermachen. Sie müssen Fußball wichtiger finden als Siegen. Was er ja auch ist.)

Trotz seines Sieges hat Fritz heute Morgen viel mehr von der EM geredet als über den SCC. Und er war gut auf das Thema vorbereitet, hatte die Sportteile von Tagesspiegel , FAS , Bild und WamS gelesen. Das Ergebnis der Lektüre: helle Begeisterung.

Die bezog sich jedoch mehr auf die Holländer als auf die Deutschen. Nicht dass Fritz ein untreuer Fan wäre, er hält zu Deutschland und glaubt noch dran, mehr als ich. Fritz und seine Freunde singen übrigens auch immer die Nationalhymne mit, das ist ihnen vollkommen natürlich. Aber der Mund geht ihm über bei Robben und Sneijder.

Selbst als ich ihm von meinem gestrigen Gespräch mit Christoph Metzelder berichtet habe, schien sein Interesse nur mäßig. Dabei war es wirklich interessant, leider ein Hintergrundgespräch, sodass ich hier nicht davon berichten darf. Vielleicht später, in der ZEIT . Offensichtlich ist es so, dass Fritz den Fußball als solchen noch mehr liebt als sein Land. Guter Junge.

Eines darf in diesem Zusammenhang vielleicht doch aus dem Gespräch mit Metzelder verraten werden. Er ist ja gläubiger Katholik, betet aber trotzdem nicht für den Sieg der eigenen Mannschaft, sondern nur für ein gutes Spiel.

Es gibt offenbar zwei Dinge, die wichtiger sind als Deutschland, die Güte des Herrn, der alle seine Spieler gleichermaßen liebt – und die Schönheit des Spiels.

Fritz, der elfjährige Sohn unseres EM-Reporters Bernd Ulrich, bekommt jeden Morgen einen Anruf aus dem EM-Lager der deutschen Elf – die Vater-Sohn-Kolumne zur Fußball-EM.