Es ist, nimmt man es genau, eine Obszönität: 1339 Milliarden Dollar – 858 Milliarden Euro – haben die Staaten der Welt im Jahre 2007 für Rüstung und Militär ausgegeben, sechs Prozent mehr als vor zehn Jahren. Das entspricht 2,5 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts – gleich 202 Dollar pro Kopf und Nase der sechseinhalb Milliarden Erdenbürger.

Diese erschütternden Zahlen enthält der neue Jahresbericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute).

Man kann es kaum glauben. Da leben über zwei Milliarden Menschen von weniger als einem Dollar pro Tag, aber die Rüstungsausgaben, die Rüstungsexporte, die Militärausgaben steigen ins Unermessliche. Allein auf die Vereinigten Staaten entfallen 45 Prozent der Verteidigungsausgaben. Dabei müssen den 550 Milliarden Dollar, die der normale Pentagon-Haushalt ausmacht, noch weitere 200 Milliarden jährlich für die Kriegführung im Irak und in Afghanistan hinzugerechnet werden. Aber auch in den Ländern der aufstrebenden Dritten Welt wird mit Geld fürs Militär geaast. Nicht wenige nehmen zwar gern Entwicklungshilfe an, geben aber mehr fürs Militär als für Bildung aus. Die Ökonomen nennen so etwas eine „Fehlallokation“ von Mitteln – im Klartext: eine ungeheuerliche Verschwendung.

Deutschland steht bei den Militärausgaben mit 36,9 Milliarden Dollar (23,7 Milliarden Euro) an sechster Stelle – noch vor Russland übrigens, wenn den russischen Zahlenangaben denn zu trauen ist. Vor der Bundesrepublik liegen laut SIPRI an erster Stelle die Vereinigten Staaten, danach England, China, Frankreich und Japan. Mit einem Marktanteil von zehn Prozent am gesamten Waffenhandel war Deutschland nach den USA und Russland der drittgrößte Rüstungsexporteur.

Wozu all die Waffen gebraucht werden? 14 bewaffnete Konflikte führt SIPRI für 2007 auf. Ehrgeiz, Machthunger, regionales Hegemoniestreben liegen ihnen zugrunde. Dazu kommen 61 Friedensunternehmen – die höchste Anzahl seit 1999; 170.000 Soldaten waren daran beteiligt.

Wiederaufstrebende Mächte aber wie Russland und China, beflügelt von dem Gedanken, ihrer wirtschaftlichen Stärke ein militärisches Unterfutter zu verschaffen, das ihnen Status und Prestige einträgt, erhöhen ihren Militärhaushalt jährlich um 13, 15 oder 18 Prozent.