Waren Sie am Wochenende wieder auf der Piste, dass es so richtig gefetzt hat? Sind Sie auf eine oberaffengeile Fete zum Abhotten gegangen, haben sich ein Lungenbrötchen nach dem anderen reingezogen, ordentlich gealkt, bis Sie voll bedröhnt waren, gar noch am Ende eine Trulla - hoffentlich keine Breitbandnudel - aufgerissen*?

Wenn ja, dann haben Sie bestimmt nicht später in dieser Sprache davon berichtet. Zwanzig Jahre sind vergangen, und schon kommen uns „oberaffengeil“, „Abhotten“, „Lungenbrötchen“ und „Trulla“ mächtig altmodisch vor. Dass nach der jüngsten Studie des Demoskopischen Institut in Allensbach zwei Drittel aller Deutschen (65 Prozent) glauben, die deutsche Sprache sei vom Verfall bedroht, sollte niemanden beunruhigen. Entweder die Deutschen fürchten sich davor, selbst auszusterben, oder aber sie glauben, ihre Sprache sei dem Untergang geweiht - eines von beiden ist immer Thema.

Sprache ist ein lebendiges Konstrukt, sie verhält sich nicht statisch zum Sprecher, sie verfällt nicht - dies ist eine elitäre, moralische Kategorie -, sondern verändert sich. Und oft kann man über genau diesen Prozess der organisch-ungesteuerten Veränderung von Sprache nur froh sein. Eine prima Party ist doch allemal einer oberaffengeilen Fete vorzuziehen. Und die Welt der Trullas (alternativ: Tussis) teilt sich zum Glück auch nicht mehr in „Breitbandnudeln“ und „Bohnenstangen“ ein.

Wenn der kultur- und medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagfraktion, Christoph Waitz, nun panisch sagt, dem offensichtlichen Sprachverfall müsse „Einhalt geboten werden“, darf man sich nicht von dieser Hysterie anstecken lassen. Einhalt geboten werden muss höchstens der Verbreitung seiner Idee, dass nun „die Eliten“ (Waitz) gefordert sind, ihren Mitbürgern das Sprechen beizubringen. Was für ein Vorschlag: Da sollen ein paar Hundert „Experten“ Millionen Menschen erklären, welche Worte sie in den Mund nehmen dürfen?

Was ist das für eine unglaubliche Einmischung in die Privatsphäre eines Menschen? Es wäre nichts dagegen einzuwenden, wenn Zeitungen und Verlage mehr Redakteure und Lektoren einstellen würden, damit man nicht ständig über Kommafehler und falsche ß stolpert. Aber lasse ich mir das „Simsen“ verbieten, laut Waitz ein „Paradebeispiel für die Verschluderung unserer Sprache“?