Langer glaubt, dass Sprachgesetze und -ratgeber in erster Linie definieren, was dem Sprachgebrauch der jeweils gebildeten Mittelklasse entspricht. Dann, resümiert er, kann man aber nicht von Sprachverfall reden. Vielmehr handele es sich um das Phänomen, dass man ab einem gewissen Alter immer denkt, früher sei alles besser gewesen: „Kleidung, Musik, Moral, Abitur, und eben auch die Sprache“.

Dem entspricht auch, dass in der Allensbach-Studie der „Sprachverfall“ in erster Linie von älteren Mitbürgern gewittert wird. Was heute die Abneigung gegen Anglizismen ist, war Ende des 19. Jahrhunderts die gefürchtete „Effeminisierung“ der deutschen Sprache durch das weit verbreitete Französisch.

Insgesamt muss man wohl eher von einer Sprachinflation als von Sprachverfall sprechen: 1880 zählte der Duden noch 27.000 Wörter, im Jahr 2005 waren es 125.000. Jedes Jahr kommen im Durchschnitt 1000 Wörter hinzu.

Auch muss deutlich widersprochen werden, wenn Herr Waitz sich über so hübsche Begriffe wie Simsen aufregt. Herr Waitz, was schlagen Sie denn stattdessen vor? Glauben Sie, dass man auf dem Schulhof sagen wird: „Jetzt werde ich mal den Kurzmitteilungsdienst verwenden?“

* Laut Nikolaus Mützels „Sprache – oder was den Mensch zum Menschen macht“ (2007) sind diese Begriffe in den achtziger Jahren in Mode gewesen.