Tao Lin hat einen seltsamen Begriff von Schönheit: veraltete Microsoft-Programme, heruntergekommene 24-Stunden-Supermärkte und Naturfilme. Daraus macht der 24-jährige seine Prosa. Er schreibe von Stimmungen, die andere Schriftsteller achtlos vorbeiziehen lassen, sagte unlängst Miranda July, der gegenwärtige Liebling des amerikanischen Literaturbetriebs.

Tao Lin hat der Depression junger Amerikaner eine neue Stimme gegeben. Sein Ton ist ein wenig schläfrig, minimalistisch aber präzise. Seine besten Geschichten spielen an einem in literarischer Hinsicht sehr abgelegenen Ort: Florida. Es ist schwül, die Protagonisten stopfen sich voll mit Fastfood und Süßem, die Klimaanlage surrt, man schläfert Haustiere ein und weint im Stillen und ohne Grund. Durchbrochen wird die Vorstadtödnis nur durch Visionen von fliegenden Donuts, Einhörnern, Pflaumen und Robotern. Im Hintergrund lauern Terroristen darauf, im richtigen Moment mit Kentucky-Fried-Chicken -Plastikgabeln zuzuschlagen.

Überall lauert eine unüberwindbare Melancholie. So bezeichnet etwa der Titel seines ersten Romans „das Geräusch, das Delfine machen, wenn sie glücklich oder depressiv sind“: Eeeee Eee Eeee .

Der Autor selbst ist weder exzessiv glücklich noch depressiv: Seine Schreibwut grenzt bloß an Hyperaktivität. Mit 24 Jahren hat der New Yorker schon mehrere Bücher geschrieben, darunter einen Roman, einen Kurzgeschichtenband und zwei Gedichtbände. Zudem malt er Bilder von weinenden Hamstern, die er 2008 im Bildband North American Hamsters veröffentlichte. Legendär sind in Internetkreisen auch seine Kettenmails und Anzeigen, mit denen er seine Suche nach Praktikanten zur Kunstform erhob.

Angesichts dieser Massenproduktion überrascht es kaum, dass Tao Lins Arbeit dort begonnen hat, wo die unbegrenzte literarische Selbstveräußerung die Regel ist: im Internet. Im Jahr 2005 begann er die Arbeit an seinem Blog Reader of Depressing Books . Dort schrieb er Kritiken über Bücher, die er so deprimierend fand, dass sie ihn selbst glücklicher machten.

Noch im selben Jahr gewann er einen Literaturwettbewerb des Verlags Action Books. Der Gewinn des Preises ermöglichte die Publikation seines ersten Buchs, des 2006 erschienenen Gedichtbands You are a little bit happier than I am . Die Lyrik darin liest sich beiläufig und authentisch zugleich. Tao Lins Enjambements klingen eher wie ein Chatprotokoll als bemüht kunstvoll:

Today The Sky is Blue and White with
Bright Blue Spots and a Small Pale
Moon and I Will Destroy Our
Relationship Today.