Wir blicken auf das junge Sonnensystem, rund vier Milliarden Jahre vor unserer Zeit: Es ist die Epoche des "Großen Bombardements". Gewaltige Gesteinsbrocken – Asteroiden und Meteoriten – stürzen immer wieder auf die jungen Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars. Einer dieser Meteoriten schlägt mit einer Wucht auf den Mars ein, die den roten Planeten schwer erschüttert. Die äußerste Gesteinsschicht des Planeten, die Kruste, schmilzt, bricht auf, flüssige Lava quillt aus dem Inneren hervor und verteilt sich in einer glatten Schicht über die eine Hälfte des kugeligen Planeten.

Ein gewaltiges Szenario – aber ob es sich wirklich so zugetragen hat? Einige Forscher vermuten dies bereits seit Jahren. Allein das Erscheinungsbild des Mars spricht dafür, dass es einst tatsächlich eine derartige Kollision gegeben hat: Die Südhalbkugel des roten Planeten ist eine Gebirgs- und Kraterlandschaft. Die Nordhalbkugel hingegen ist glatt und eben und, wie man inzwischen weiß, auch die Planetenkruste ist hier sehr viel dünner als im Süden. War der Stein im Norden also nach einer Kollision geschmolzen, hatte sich die Lava über den Planeten verteilt?

Drei Forschergruppen aus Massachusetts und Kalifornien haben nun noch einmal die Nordhalbkugel des Planeten untersucht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in drei Beiträgen im Wissenschaftsmagazin Nature . Die Daten deuten darauf hin, dass wirklich ein Meteorit mit dem Mars zusammenstieß. Mehr noch: Es soll der gewaltigste Meteoriteneinschlag in unserem Sonnensystem gewesen sein.

Die Forscher hatten das Borealis-Becken im Visier, eine riesige Vertiefung in der Nordhalbkugel, umsäumt von gigantischen Vulkanen. 8500 mal 10.600 Kilometer Fläche nimmt das Becken ein und ist damit so groß wie Asien, Australien und Europa zusammen. Die Vermutung der Wissenschaftler: Das Becken ist der Einschlagskrater. Daran wurde bisher gezweifelt, da die zahlreichen Satellitenbilder des Kraters nicht die für einen Meteoriteneinschlag typische runde Form aufzeigten.

Mit Hilfe des Mars-Erkundungssatelliten "Mars Reconnaissance Orbter" und der Raumsonde "Mars Global Surveyor" untersuchten die Wissenschaftler den Rand des Beckens nun noch einmal genauer. Der Erkundungssatellit lieferte Informationen über Gesteinsschichten, die unter den Vulkanen liegen. So rekonstruierten die Forscher eine Landkarte des Mars ohne Vulkane. Messungen des Gravitationsfelds und Analysen der Kruste mit der Raumsonde lieferten den Wissenschaftlern zusätzliche Informationen. So stellten die Forscher ein neues Bild des Kraters ohne die Vulkane zusammen, das ihre Vermutung bestätigte: Die Vertiefung weist die für einen Meteoriteneinschlag typische elliptische Form auf.