Fast lautlos surrt seit Herbst vergangenen Jahres der Kleinwagen "smart" durch London. Gleich 100 der neuen Elektroautos hat Daimler in der britischen Hauptstadt an Firmenkunden und die Polizei verteilt, um das neue Gefährt im ersten großen Feldversuch zu testen. "Das Feedback ist rundweg positiv", sagt ein Daimler-Sprecher.

Kein Wunder: Die "smart"-Besitzer sparen sich die teure City-Maut, kommen in den Genuss exklusiver Parkplätze und lassen die teuren Benzin-Tankstellen links liegen. Die Batterie unter der Motorhaube lädt sich in etwa fünf Stunden und reicht für rund 100 Kilometer – optimal für den Stadtverkehr.

Könnte die Zukunft dem Elektroauto gehören? In Zeiten des Klimawandels und rasant ansteigenden Benzinpreisen macht sich auch die Automobilbranche Gedanken über  Energieeffizienz und Kohlendioxidemissionen. In den Autokonzernen stoßen die strombetriebenen Fahrzeuge auf großes Interesse, kaum ein Konzern, der nicht an ihnen forscht. Erst Anfang der Woche kündigten Volkswagen, BMW und Daimler an, bis zum Jahr 2010 bzw. 2012 Autos mit Elektromotor auf den Markt zu bringen.

Geht es nach Hans-Josef Fell, dem energiepolitischen Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, rollen im Jahr 2020 eine Million Elektrowagen auf Deutschlands Straßen. "Elektroautos sind äußerst energieeffizient", lobt er. Während bei einem Verbrennungsmotor rund zwei Drittel der eingesetzten Energie einfach verpuffen, setzt ein Elektromotor 90 Prozent in Antriebsenergie um. Für Fell sind vor allem die niedrigen Kohlendioxid-Emissionen ein Argument: Ein Mittelklassewagen mit einem Verbrauch von acht Litern auf 100 Kilometern stoße rund 170 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus. Würde man ihn mit einem Elektromotor ausstatten, käme man beim aktuellen Strommix auf nur 90 Gramm. "Und wenn man ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen verwendet, fallen gar keine CO2-Emissionen an", sagt Fell. Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie schätzt, dass Elektroautos, die mit Ökostrom fahren, rund 67 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Während die Grünen aus Klimaschutzgründen für das Elektroauto trommeln, freuen sich die Stromversorger über einen neuen Absatzmarkt. So kommt es zu ungewöhnlichen Allianzen: Beim Energieverband BDEW bringt etwa die Arbeitsgruppe E-mobility das Thema voran. Ende vergangenen Jahres warben sogar E.on und die Grünen gemeinsam für Elektroautos. Ungewöhnlich sei diese gemeinsame Aktion schon, mussten die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn und E.on Energie Vorstand Klaus-Dieter Maubach bei einer gemeinsamen Pressekonferenz zugeben, "aber da, wo es gemeinsame Interessen gibt, spricht nichts dagegen, auch gemeinsam zu werben".