Die vier Halbfinalteilnehmer stehen fest. Für die zweite, die Journalistenwelt, galt es also nach dem gestrigen Spiel, Bilanz zu ziehen. Einig war man sich in einem Punkt: Die Viertelfinalbegegnungen haben allesamt nicht gehalten, was man sich von ihnen versprach. Lässt man einmal die überraschende Leistungssteigerung der Löw-Elf gegen Portugal außen vor.

Und die Russen, ja doch, die russische Mannschaft hatte ebenfalls positiv überrascht, wie von Angela Merkel ja bereits vor der EM vorausgesagt. Und, na klar, auch die Türken haben begeistert, als sie das Spiel gegen Kroatien noch drehten. Und, okay, die junge spanische Mannschaft hatte nach leidenschaftlichem Kampf die jahrzehntelang anhaltende Serie von Viertelfinal-Pleiten beendet. Aber insgesamt?

War das doch deutlich unterhalb des Niveaus geblieben, das sich nach zum Teil spektakulären Vorrundenspielen angedeutet hatte. Holland raus, Frankreich raus, Italien raus: die gesamte „Todesgruppe“ – nach dem Viertelfinale: raus, raus, raus.

Gerecht ist das, aber irgendwie auch schade. Deutschland gegen Holland im Finale, endlich mal wieder seit 1974, das wäre es gewesen. Oder die ultimative Revanche für das WM-Halbfinale 2006: Deutschland gegen Italien, kaum zu toppen. Jetzt könnte das Finale Türkei gegen Russland heißen. Ist irgendwie nicht dasselbe, oder? Das Turnier sei irgendwie schon vorbei, hat ein Kollege gesagt. Aber so kann man das auch nicht sagen.

Darf man jedoch so argumentieren? Ist das nun ungerecht, gar anmaßend, gegenüber den „kleinen“ Fußballnationen, die ja so großartig aufgespielt haben. Ja, das ist es: anmaßend und ungerecht. Aber was ist schon gerecht?

Ist es beispielsweise, so wurde heute lebhaft diskutiert, ist es gerecht, dass Torsten Frings nun womöglich wieder ins deutsche Team rutscht, „nur“, weil er da seit Jahren als unentbehrlich gilt? Obwohl Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes gegen Portugal eine nahezu perfekte Leistung gebracht hatten – und diese fürs Halbfinale wieder anbieten?