Sie ist Dr. Norden – jeden Tag von acht bis zwölf. Dann versetzt sich Elke Schiede in die Hauptfigur ihrer Serie hinein, in Daniel Norden, den engagierten Arzt. Seit sechseinhalb Jahren schreibt sie diese Romanserie. Sie übernahm sie von ihrer Schwiegermutter, auch das Pseudonym Patricia Vandenberg. Berühmt machen einen Heftromane nicht. „Und reich auch nicht“, sagt die Autorin.

Oft ist das Titelblatt des Romans schon fertig, bevor sie zu schreiben anfängt. „Dann weiß ich schon mal die Haarfarbe der Hauptfiguren.“ An einem Heft arbeitet sie etwa zehn Tage, bis zu 15 Seiten schafft sie am Tag. Mehr nicht: „Ich habe vier Kinder. Wenn die nach Hause kommen, ist an Konzentration nicht mehr zu denken“, sagt die gelernte Verlagskauffrau.

Schreibblockaden kennt sie aber nicht. „Ich habe meinen Kopf voll mit allen möglichen Sachen.“ Bei medizinischen Fragen wendet sie sich an einige Ärzte und Krankenschwestern in ihrem Bekanntenkreis. Außerdem liest sie Zeitungen, Romane und Bücher über Paarberatung. Sie ist fasziniert von dem Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun. Der hat untersucht, wie viele Botschaften in einem einzigen Satz stecken können. Das braucht die Autorin für knackige Dialoge.

Elke Schiede alias Patricia Vandenberg BILD

Ist es Schund, was sie da produziert? Elke Schiede hat solche Fragen schon oft gehört. „Mein Bruder ist Professor für Chemie. Er hat einmal zu mir gesagt, ich hätte mit meiner Arbeit schon mehr Menschen glücklich gemacht, als er es je könnte.“ Das genügt ihr. „Aber die fehlende Reputation nervt schon. Es ist traurig, dass immer nur das Intellektuelle, Problembezogene hochgeschätzt wird“, sagt sie.

Auch Horst Friedrichs ärgert sich darüber. „Das kommt noch aus der Zeit, als die Hefte das Einzige waren, was triviale Unterhaltung bot“, sagt der 65-jährige Autor. Er schreibt für den Bastei Verlag an der Krimireihe „Jerry Cotton“ mit. „Heute ist das Niveau des Fernsehens so verflacht, das ist mindestens so schlimm wie die Hefte.“ Allerdings: „Jerry Cotton steht ein bisschen über den Dingen.“ Die Reihe ist seit 1954 auf dem Markt, Detektiv Cotton längst ein Klassiker.

Friedrichs hat mehr als 300 Cotton-Hefte und 50 Taschenbücher geschrieben. Früher war er Journalist, schrieb die Hefte nur nebenbei. Doch dann gab er sich ganz dem Verbrechen hin: Er kündigte und wurde 1986 hauptberuflicher Autor. Obwohl er Themenvorgaben und Seitenzahlen einhalten muss, fühlt sich Friedrichs bei der Arbeit frei. Recherchieren muss er aber immer noch: „Die Leser überprüfen sogar die Straßennamen, wenn eine Geschichte in San Francisco spielt.“