Das ist doch mal erstklassiger Stoff für unsere Freunde aus der Paranoia-Szene: Am Mittwochabend hat das schwedische Parlament nach einigem Hin und Her beschlossen , dass die Försvarets Radioanstalt , die Lauschbehörde des Verteidigungsministers, alle ins Ausland führenden Telekommunikationskabel anzapfen darf. Über diese laufen E-Mails, Internetdaten und Telefonie.

Und weil Server weltweit auf dem Globus verteilt sind, fischt die Behörde - ab 2009 legal - nicht nur in den Datenströmen der Auslandskommunikation, sondern kontrolliert auch einen großen Teil der inländischen Telefonate, Chats und E-Mails. Ohne Verdacht, ohne Richterbeschluss, einfach so, pauschal und immer.

Nicht nur Paranoiker sagen, die Schweden schaffen sich ihr eigenes kleines Echelon . Echelon ist ein geheimnisumwittertes Projekt zweier großer Sicherheitsbehörden - der amerikanischen NSA und des britischen GCHQ. Ihre riesigen Lauschposten (eine dieser bizarren Kugeln kann man noch in der Nähe von Rosenheim bewundern) scannen, was immer an elektromagnetischen Wellen ihnen vor die Antennen gerät, etwa die Satellitenkommunikation; Hochleistungsrechner suchen in der Datenflut nach Stichworten, Mustern oder Stimmen.

„Stasi!" schreien die Kritiker, die in Schweden in der Opposition sitzen. Denkt man dabei kurz an die in Gläsern verstauten Läppchen mit Geruchsproben Verdächtiger, kann man nur seufzen. Die USA, UK, China und verschiedene arabische Länder überwachen ihre Völker heute weitaus effektiver, indem sie die Kommunikation kontrollieren.

Deshalb ist Schweden in Wirklichkeit keineswegs der erste datenschutzrechtliche Schurkenstaat, ganz im Gegenteil. Internetkontrolle geschieht weltweit und greift um sich. So gesehen schlägt sich unser Innenminister tagaus, tagein mit einem Haufen von Naivlingen und Nostalgikern herum. Privatsphäre? Freies Internet? Ja wo sind wir denn?

Die Botschaft aus Schweden lautet: Das „Lex Orwell", die „Schwedenstasi" taugen nicht einmal mehr als paranoide Angstszenarien. Dafür sind sie einfach schon zu normal. Schäubles geplante Mini-NSA in Köln zur „Harmonisierung" der Telekommunikationsüberwachung ist nichts anderes als die späte Anpassung an moderne Zeiten und zeitgemäßes Geheimdienstwesen.

Und hier noch ein Tipp für unsere Freunde aus der Paranoia-Szene: Tut euch schleunigst nach frischem Panikstoff um!