ZEIT online: Herr Bierhoff, offener Wagen oder Bühne?

Oliver Bierhoff: Sie fragen, wie wir uns in Berlin den Fans präsentieren? Mit dem offenen Wagen durch Berlin wäre schön gewesen. Mittlerweile ist es aber so, dass man nicht einfach mal sagen kann: Los, das machen wir so. Dann kommen die Aufsichtsbehörden, und wir brauchen Sicherheitskräfte, wenn der Tross bestürmt wird. Und es gibt noch viele andere organisatorische Dinge zu bedenken. Aber das kriegen wir leider nicht durch. Deshalb Bühne. 

ZEIT online: Warum fiel die Wahl auf Berlin?

Oliver Bierhoff: Es ist uns ganz wichtig, dort zu feiern, wir freuen uns riesig darauf. Berlin ist uns durch unseren fünfwöchigen WM-Aufenthalt in der Hauptstadt ein Zuhause geworden. Dort haben uns am Ende fast eine Million Fans am Brandenburger Tor gefeiert. Jetzt wollen wir als Mannschaft noch einmal dorthin und Danke sagen. Wir haben die Begeisterung in Deutschland über Freunde und die Familie mitbekommen. Sie hat uns geholfen.

ZEIT online: Inwiefern?

Oliver Bierhoff: Vor den wichtigen Spielen haben wir Sequenzen zusammenschneiden lassen, das waren Szenen von den Public-Viewing-Plätzen in ganz Deutschland. Das waren Vier-Minuten-Filme, die wir dem Team vor den Spielen gezeigt haben. So etwas wirkt.

ZEIT online: Was könnte der EM-Titel bewirken?

Oliver Bierhoff: Für die Mannschaft wäre es die Belohnung für die harte Arbeit der vergangenen zwei Jahre. Unmittelbar nach dem verlorenen WM-Halbfinale gegen Italien ist schon in der Kabine der Funke auf alle übergesprungen. Das Gefühl war: Das kann es jetzt nicht gewesen sein, sondern: Wir wollen was holen! Ich habe gerade bei den Führungsspielern, ob jetzt bei Michael Ballack, Philipp Lahm oder Torsten Frings, gespürt, dass sie sich sagen: Wir waren so nah dran, und wenn wir jetzt weiter dran glauben, können wir den Titel ein anderes Mal holen, vielleicht schon bei der EM. 

ZEIT online: Sie wissen ja, wie man ein Finale gewinnt.

Oliver Bierhoff: Wichtig in einem Finale ist, dass die Spieler nicht verkrampfen, dass man Mut hat. Unsere Spieler müssen ihr Herz in die Hand nehmen. Den Rest entscheidet die Tagesform.

ZEIT online: Ist die EM nicht nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur WM 2010? Wo kann jetzt noch eine Entwicklung stattfinden?

Oliver Bierhoff: Es wäre schlimm, wenn wir jetzt anhalten würden. Auch diese Mannschaft ist noch entwicklungsfähig. Es gilt, sie personell ständig zu erneuern und zu verbessern. Es wäre schön, wenn wir so eine Art Zyklus eröffnen könnten, der mit dem Confed-Cup 2005 begonnen hat und jetzt nicht nur zwei, drei Jahre dauern darf. Die Mannschaft kann mehr Stabilität gebrauchen, so dass solche schwächeren Leistungen wie gegen Kroatien und auch gegen die Türkei nicht mehr auftreten. Diese Mannschaft wird weiter wachsen und daran arbeiten wir 365 Tage im Jahr. 

ZEIT online: Das heißt, Sie sind noch nicht am Ziel?

Oliver Bierhoff: Wir müssen einmal betrachten, wo wir vor vier Jahren nach der deprimierenden EM in Portugal standen. Das Ansehen der Nationalmannschaft lag am Boden. Seitdem haben wir an drei Turnieren teilgenommen, wir waren zweimal Dritter und stehen jetzt im Finale. Ich sehe bei uns fast nur Gewinner.

ZEIT online: Der Eindruck, der sich einem aufdrängt, ist dieser: Die Nationalelf wird von Millionen gefeiert. Sie, der Sie als Manager dafür mitverantwortlich sind, scheinen von diesem Glanz völlig abgekoppelt.

Oliver Bierhoff: Sie haben Recht, die Sympathiewerte der Nationalmannschaft sind kaum zu steigern und auch Jogi Löw wird zurzeit der beliebteste Deutsche sein. Damit habe ich eines meiner Ziele als Manager erreicht. Die notwendigen Veränderungen haben aber nicht alle erfreut. Da entstehen dann auch mal Konflikte und da stehe ich als Manager an der Front. 

ZEIT online: Sie rempeln bewusst?