Es war auch für den Außenminister kein ganz gewöhnliches Treffen: Nicht Diplomaten oder Politiker waren am Dienstag seine Gesprächspartner sondern vier Bischöfe aus dem Irak. Frank-Walter Steinmeier (SPD) habe sich ein authentisches Bild von der Lage im Land machen wollen, hieß es im Vorfeld aus dem Auswärtigen Amt. Aber natürlich stand die Begnung auch in Zusammenhang mit der von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) angestoßenen Initiative, Flüchtlinge aus dem Irak, und darunter vor allem Christen, in Europa Aufenthalt zu gewähren.

Dass insbesondere für die Christen die Situation im Irak seit Saddam Hussein sehr viel schlechter geworden ist, daran ließen die Bischöfe keinen Zweifel. Schuld daran seien der religiöse Extremismus, aber auch die generelle Zunahme von Gewalt und Kriminalität. Lebten 1987 noch etwa 1,4 Millionen Christen im Land, so sind es heute nur noch 400 000. Weil Christen in dem islamischen Land in besonderer Weise Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt sind, gibt es bereits jetzt in vielen großen Städten des Landes keine Gemeinden mehr. Fast alle Christen, die noch im Irak sind, sind mittlerweile in den kurdischen Norden geflohen, wo sie  toleriert werden und einigermaßen sicher sind. Die anderen sind in die Nachbarländer geflüchtet.

Zwei Bitten hatten die Bischöfe mitgebracht: Zum einen möge Deutschland den rechtlichen Status der bereits hier lebenden Christen verbessern, zum anderen solle der Familiennachzug erleichtert werden. Um eines aber baten sie nicht: Dass Europa die Grenzen ganz weit aufmachen und bevorzugt christliche Flüchtlinge aufnehmen könnte, wie dies vor allem den Innenministerium anfangs vorschwebte, das ist durchaus nicht im Sinne der Bischöfe. Statt dessen forderten sie Deutschland auf, den Christen im Irak zu helfen. Andernfalls, befürchten sie, könnte die dortige christliche Minderheit schon bald vor dem Aussterben stehen.

Abgebrochen würde damit eine jahrtausende alte Geschichte. Die ersten Gemeinden im Land sollen noch von einem der Apostel gegründet worden sein. In den assyrischen Gemeinden wird im Gottesdienst bis heute aramäisch gesprochen, die Sprache, die auch Jesus verwendete.

Die Christen sollten deswegen lieber im Land bleiben, findet der chaldäische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, der am Mittwoch unter den Besuchern im Auswärtigen Amt war.  Doch es geht ihm nicht nur um Tradition. "Wir Christen haben eine Mittlerrolle im Land. Christliche Werte wie Toleranz und Dialog können helfen, das Land zu befrieden", sagte Sako der Süddeutschen Zeitung.

Unterstützung erhält er für diese Position auch von seinem obersten Dienstherrn in Rom. Während es dem konservativen Innenminister Wolfgang Schäuble plötzlich gar nicht schnell genug gehen kann, möglichst viele Flüchtlinge ins Land zu holen, reagiert der Vatikan mit Zurückhaltung auf diese Form der christlichen Solidarität. Dort fürchtet man den Dominoeffekt. Wenn die irakischen Christen nach Europa fliehen, könnten Christen aus Syrien, Jordanien oder den Palästinensergebieten ihnen folgen wollen.