Der Basistest erfolgte in dem sachsen-anhaltinischen Städtchen Naumburg. "Ich weiß, dass für viele Menschen die hohen Energiepreise ein großes Problem sind", sagte die Kanzlerin dort in dieser Woche auf einem Straßenfest. Deswegen brauche man eine vernünftige Energiepolitik. "Wir werden in naher Zukunft nicht auf Atomenergie verzichten können", setzte sie hinzu. Da hoben viele Menschen die Hände und klatschen, dabei war die Zahl der CDU-Anhänger in der Menge eher gering. Doch dass Energie zu teuer ist, da sind sie sich alle einig. Die Angst vor den Risiken der Atomenergie schwindet vor diesem Hintergrund jeden Tag ein wenig mehr. 

Über den "Ausstieg aus dem Ausstieg" hatte Angela Merkel bisher eher vor "hochkopfertem Publikum" geredet. Nun hat sich gezeigt: Die Kampagne funktioniert auch auf dem Marktplatz.

Die CDU hat einen Nerv getroffen. Einer Allensbach-Umfrage zufolge gibt es seit Längerem kein Thema, das die Deutschen ähnlich stark beunruhigt. Mehr als 50 Prozent zeigten sich im Dezember 2007 über die steigenden Energiepreise sehr besorgt, die Sorge um den Klimawandel, die Sicherheit der Renten oder wachsende Kriminalität landeten dagegen weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Im letzten halben Jahr dürfte sich dieser Trend angesichts der Preisentwicklung noch verstärkt haben.

Kein Wunder also, dass die CDU ihre Kampagne für Atomenergie gerade jetzt startet. In der vergangenen Woche wurde ein Grundsatzpapier vorgestellt, in dem die Partei sich offen zum Festhalten an der Kernenergie bekennt. Ein entsprechender Antrag soll auf dem Parteitag im Dezember beschlossen werden. Bis September soll eine Energiekommission den Abschied vom Ausstieg konkretisieren.

Immerhin: Für den Bau neuer Atommeiler plädiert die Union vorläufig nicht. Stattdessen sollen die Laufzeiten für die bestehenden Kraftwerke verlängert werden. Und zwar so lange, bis "neue klimafreundliche und wirtschaftliche Energieträger in ausreichendem Umfang zur  Verfügung stehen", wie es in dem Grundsatzpapier heißt. Das könnte noch ziemlich lange dauern. Jedenfalls über das Jahr 2020 hinaus, in dem nach bisheriger Planung die letzten Meiler vom Netz genommen werden sollen.

Die SPD ist für den Vorstoß der CDU nicht undankbar. Sie erhofft sich durch eine Polarisierung auf diesem Gebiet vor allem eine Mobilisierung ihrer eigenen Wähler. Denn bei den Genossen, das geht aus internen Umfragen hervor, steht der Atomausstieg gleich nach der sozialen Gerechtigkeit auf Platz zwei der wichtigsten Inhalte.

Zugleich ist man allerdings auch alarmiert. Die Überzeugungskraft des Preisarguments ist den Sozialdemokraten durchaus bewusst. Zumal die Atomkraftbefürworter mit Versprechungen nicht zimperlich sind. Auf rund zehn Prozent beziffert etwa der FDP-Politiker Rainer Brüderle die möglichen Einsparungen bei den Stromkosten.