Für Netz-gegen-Nazis.de sprachen Toralf Staud und Johannes Radke mit dem Juso-Landesvorsitzenden Peter Metz aus Thüringen und dem Vorsitzender der Jungen Union in Mecklenburg-Vorpommern, Sebastian Ehlers. Metz ist 23 Jahre alt und wurde in Erfurt geboren. Er studiert in Jena Geschichte und Philosophie und ist im Landesvorstand der SPD für den Bereich Rechtsextremismus zuständig.

Sebastian Ehlers, 25, stammt aus Schwerin. Auch er ist im Landesvorstand seiner Partei. Er studiert in Rostock Politikwissenschaft und Öffentliches Recht und hat seit kurzem eine Tochter.

Netz-gegen-Nazis: Haben Sie eine Deutschlandfahne am Auto?

Ehlers: Ja

Metz: Nein

Netz-gegen-Nazis: Warum?

Ehlers: Ich bin glühender Fußball-Fan, und während der Europameisterschaft ist die Flagge ein schönes Zeichen der Verbundenheit mit dem deutschen Team. Aber auch jenseits solcher Großereignisse habe ich kein Problem damit, die Deutschlandfahne zu zeigen.

Metz:  Ich kann damit nichts anfangen, Deutschland ist für mich kein Wert an sich. Die Bundesrepublik ist ein Gebiet, in dem ich Politik mache - aber deshalb empfinde ich noch keinen Stolz gegenüber Deutschland, sondern nur gegenüber dem, was ich selbst schaffe oder mit mir nahe stehenden Menschen oder meiner Partei. Wenn schon eine Fahne, dann eine von den Jusos oder der SPD.

Netz-gegen-Nazis:  Herr Ehlers, womit fühlen Sie sich in Deutschland besonders verbunden?

Ehlers: Abgesehen von den schlimmen Dingen, die in der Geschichte passiert sind, haben wir ein Land, auf das man stolz sein kann! Und ich finde auch, dass man die schwarz-rot-goldene Fahne nicht den Rechtsextremen überlassen darf. Die Demokraten müssen die Deutungshoheit über diese Farben behalten. Unsere Landtagsfraktion hat deshalb zur EM kostenlos Deutschlandfahnen verteilt.

Metz:  Natürlich wohne ich gern in diesem Land und finde es nett hier. Aber wirkliche Verbundenheit zeige ich eher mit der Kommune, in der ich lebe. Dort kann ich ja auch wirklich etwas mitgestalten. Ein Staat ist für mich kein Wert an sich. Werte sind zum Beispiel soziale Gerechtigkeit oder das Streben nach Freiheit und Emanzipation. Solche Dinge stehen für mich weit über dem Stolz auf eine Nation.

Netz-gegen-Nazis: Sie sind beide Demokraten, sie beide engagieren sich gegen Rechtsextremismus. Was unterscheidet Sie?

Ehlers: Am wichtigsten ist vielleicht, dass wir bei der Jungen Union uns klar von jeglicher Form des Extremismus distanzieren. Ich will den Jusos jetzt nicht unterstellen, dass sie das nicht tun - wir aber fokussieren nicht nur auf den Bereich Rechtsextremismus.

Metz:  Unserer Meinung nach ist "Extremismus" ein Kampfbegriff. Das hat man sehr schön gesehen bei der Kampagne gegen unsere neu gewählte Bundesvorsitzende, Franziska Drohsel: Die wurde von dem Rechtsaußen-Blatt "Junge Freiheit" gestartet, aber auch JU-Mitglieder beteiligten sich daran. Franziska wurde wegen ihrer bloßen Mitgliedschaft bei der Roten Hilfe mit Linksradikalen gleichgesetzt.

Ehlers: Ich kenne den Verfassungsschutzbericht so, dass die Rote Hilfe als extremistisch eingestuft wurde.

Metz:  Der Begriff "Extremismus" wird von vielen Konservativen als Totschlagargument benutzt, beispielsweise gegenüber Leuten, die ein anderes ökonomisches System wollen, aber deswegen keineswegs Anti-Demokraten sind und auch nicht den Rechtsstaat abschaffen wollen. Ich finde es wichtig, im Kampf gegen Rechtsextremismus ein Menschenbild zu definieren, für das wir einstehen - und nicht einfach nur abstrakt Rechtsstaat und Demokratie zu verteidigen.

Netz-gegen-Nazis: Was macht dieses Menschenbild aus?

Metz: Dass alle Menschen gleich sind und gleiche Rechte haben: das gleiche Recht zu leben, das gleiche Recht auf Teilhabe.

Ehlers: Es geht beim Kampf gegen Extremismus aber schon darum, dass man den Rechtsstaat und die freiheitlich-demokratische Grundordnung schützt.

Netz-gegen-Nazis: Wo ziehen sie die Grenze zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus?