Das Jahr 2009 wirft seine Schatten voraus. Im kommenden Jahr sind nicht nur Bundestagswahlen, sondern in den drei Ost-Ländern Brandenburg, Sachsen und Thüringen auch Landtagswahlen. Zudem jährt sich zum 20. Mal der Fall der Mauer. Für die Politik bedeutet dies, dass der Aufbau Ost im kommenden Jahr gleich dreifach in den Fokus rückt. Erstens könnte die Linkspartei bei allen drei Landtagswahlen nach der Macht greifen. Zweitens werden die ostdeutschen Wähler auch 2009 den Ausgang der Bundestagswahl entscheidend beeinflussen. Drittens rückt der Jahrestag der Wende ein altes Versprechen zurück in den politischen Fokus, die Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West.

Bereits jetzt laufen sich die Parteien der Großen Koalition warm, bereiten sich auf die neue Schlacht um die Wähler im Osten vor. Am Mittwochabend stellte die Landesgruppe Ost der SPD "sechs Handlungsfelder" vor, am Donnerstagvormittag präsentierte die CDU ein Zehn-Punkte-Programm. Für den sozialdemokratischen Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, der auch Ostbeauftragter der Bundesregierung ist, sind beim Aufbau Ost in den nächsten Jahren "harte Arbeit" gefragt, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) spricht von einem "zweiten Schub" und von "neuer Dynamik".

Auch wenn sich beide Parteien dafür loben, wie viel im Osten schon erreicht worden sei, sehen sie gleichzeitig auch, wie groß der Nachholbedarf noch ist. Auch fast zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung ist das Land ökonomisch gespalten, ein selbsttragendes Wachstum ist im Osten nicht in Sicht. Die gesamtwirtschaftliche Leistung liegt nur bei 70 Prozent des Westniveaus. Zwar ist die Arbeitslosigkeit in den letzten drei Jahren auch im Osten deutlich gesunken, von 19 Prozent im Jahr 2005 auf derzeit 13,5 Prozent. Dennoch ist die Quote weiterhin doppelt so hoch wie im Westen.

Auch politisch bleibt das Land gespalten, und vor allem die Partei "Die Linke" profitiert derzeit davon. In der aktuellen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach kommt die Linkspartei auf 31,6 Prozent und ist damit mit 6,7 Prozentpunkten vor der SPD die stärkste Partei. Nur auf dem dritten Rang liegt die CDU.

Längst ist es im Osten so, dass die Union massiv Wähler an die Linke verliert. Deshalb schlägt der CDU-Generalsekretär von Sachsen, Michael Kretschmer, jetzt Alarm. "Wenn wir die besonderen Probleme in Ostdeutschland nicht endlich lösen, orientieren sich auch immer mehr Unionsanhänger um und setzen auf die Verteilungspolitik der Linkspartei", sagte der CDU-Politiker in einem Zeitungsinterview. Die Angst der Union davor, dass in ein paar Jahren der gesamte Osten von rot-roten Bündnissen regiert wird, ist riesig. Nach Ansicht des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich habe die CDU den Anspruch, "im Osten klar die Nummer eins" zu sein. Doch ist die Partei davon derzeit weit entfernt.

Von den aktuellen Umfragen aufgeschreckt, will sich die CDU nun wieder mehr um die Wähler im Osten kümmern und setzt in ihrem Zehn-Punkte-Programm den Schwerpunkt auf die Wirtschaftspolitik. Die CDU will die 2009 auslaufende Investitionszulage und die gemeinsame Wirtschaftsförderung von Bund und ostdeutschen Ländern verlängern, zudem plädiert sie dafür, Forschung und Entwicklung dort steuerlich zu begünstigen.