Der anhaltende Anstieg des Rohölpreises ist nach Ansicht großer Mineralölkonzerne nicht die Schuld von Spekulanten. BP-Chef Tony Hayward sagte auf dem 19. Welt-Erdölkongress am Montag in Madrid, es gebe keine "spekulative Blase" auf den Ölmärkten, die den Preis künstlich hochtreibe. Die wichtigste Ursache des Preisanstiegs sei vielmehr der weltweit steigende Ölverbrauch, der vor allem auf das wirtschaftliche Wachstum in aufsteigenden Industriestaaten wie China und Indien zurückgehe.

Auch der Chef von Royal Dutch Shell, Jeroen van der Veer, bestritt die Spekulationsthese. Das Steigen der Preise sei ein komplexes Phänomen, für das man nicht allein die Finanzmärkte verantwortlich machen könne, sagte er.

Die Vertreter mehrerer Regierungen hingegen widersprachen dieser Darstellung. Die Verteuerung des Rohöls habe "eine klare spekulative Komponente", sagte der spanische Industrieminister Miguel Sebastián. Europa benötige eine tiefgreifende Reform der Energiemärkte. Auch der EU-Energiekommissar Andris Piebalgs plädierte für mehr Transparenz auf den Märkten. Damit sollten die Sicherheit und das Vertrauen von Anlegern und Verbrauchern gestärkt werden.

Auch der Energieminister von Katar, Abdullah al-Attijah, sprach auf der Konferenz von Spekulanten, die "möglicherweise" die jüngsten Preisbewegungen beeinflussten. Auf den Ölmärkten gebe es "seltsame Fluktuationen", sagte er, und betonte: "Es gibt keinen Mangel an Öl." Zahlreiche Tanks seien voll mit Rohöl, das nicht verkauft werde.

Der spanische König Juan Carlos hatte den 19. Welt-Erdölkongress mit einem Aufruf zu einem verstärkten Rückgriff auf "saubere" Formen der Energie eröffnet. "Die Welt verlangt nach einem neuen Modell der Energieversorgung", sagte der Monarch. Das neue System müsse "effizient, transparent und umweltfreundlich" sein.

Der Ölpreis knackte derweil die nächste Rekordmarke: 143 Dollar je Barrel. In der Spitze verteuerte sich ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI zur Auslieferung im August auf 143,67 Dollar. Den vergangenen Höchststand gab es erst am Freitag mit 142,99 Dollar je Barrel. Der Preis der Nordsee-Sorte Brent kletterte am Montag auf den Rekord von 143,53 Dollar je Barrel.

In dem Treffen in der spanischen Hauptstadt nehmen mehr als 3000 Delegierte aus über 50 Ländern teil. Dazu gehören Minister aus erdölproduzierenden Ländern, Vertreter internationaler Organisationen und die Chefs großer Mineralölkonzerne. Das Treffen ist vor allem für Experten der Branche bestimmt. Konkrete Beschlüsse werden nicht gefasst.