Für die kommenden sechs Monate hat sich Nicolas Sarkozy viel vorgenommen. Als EU-Ratsvorsitzender will der französische Präsident eine Union für das Mittelmeer gründen, die europäische Verteidigungspolitik beschleunigen, in der Energie- und Klimapolitik energisch werden – und einen "Pakt über Immigration und Asyl" zimmern.

Dieser soll die Regeln für die Einwanderungspolitik in der Union harmonisieren und die Zuwanderung in die 27 Mitgliedsstaaten bremsen. Sarkozy ist selbst Kind ungarischer Einwanderer. Vor allem aber war er vor seinem Einzug ins Elysée der Innenminister seines Landes und damit von Amts wegen beauftragt, die Immigration zu kontrollieren.

Die französische wie die europäische Migrationspolitik, kritisiert die Pariser Wissenschaftlerin Catherine Wihtol de Wenden (in der Juni-Analyse der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik), ist gezeichnet von Brüchen und Widersprüchen: "Der Sicherheitsaspekt tritt in Konkurrenz zu den demografischen Erfordernissen, dem Bedarf an Arbeitskräften und der von Frankreich gewünschten Schaffung eines Mittelmeer-Bündnisses", stellt Withol de Wenden fest.

Pünktlich zu Beginn von Sarkozys EU-Ratspräsidentschaft legen das Washingtoner Center for Transatlantic Relations und die Amerikanische Handelskammer bei der EU eine lesenswerte Studie über "Globalisation and Europe" vor. Ein zentraler Befund passt in einen knappen, desaströsen Satz: In den USA machen die Hochqualifizierten unter den Zuwanderern 55 Prozent aus – in Europa nur 5 Prozent.

Das also sind die Eckdaten für jede europäische Migrationspolitik: eine rasch alternde europäische Bevölkerung; eine an qualifizierten Zuwanderern durchaus interessierte Wirtschaft, bis hin sogar zum europäischen Gewerkschafts-Dachverband ETUC; eine reizbare und für jeden Populismus anfällige öffentliche Meinung, gerade, aber beileibe nicht nur im Frankreich eines Jean-Marie Le Pen, wie die Bilder aus Rom in jüngster Vergangenheit belegen. Zwischen den Geboten der Vernunft und den Einflüsterungen der Angst soll die Politik da die Balance finden.

Doch wie sucht sie diese Balance? Beispiel Frankreich: Er sei nicht gegen Immigration, poche aber auf strikte Regeln, hatte Nicolas Sarkozy wiederholt erklärt. Was in der Praxis eine verschärfte Zugangskontrolle bedeutet, gepaart mit der Idee eine "EU Blue Card" nach dem amerikanischen Vorbild der Green Card für ausgesuchte Zuwanderer – die es aber, siehe oben, lieber in die Neue Welt zieht. Die 2004 gegründete europäische Grenzschutzagentur Frontex sähe Präsident Sarkozy am liebsten aufgewertet zu einer Art schnellen Eingreiftruppe an Europas Rändern, im Osten wie im Süden wie eine echte Polizei agierend.