Wie wird man eigentlich Fackelläufer? "Ganz einfach, ich habe heute Nachmittag keine Vorlesung", sagt Anne Stauche. Es ist Dienstag, kurz vor drei Uhr, Anne sitzt im Regionalexpress von Erfurt nach Jena, zusammen mit Michael Bernhardt. Beide studieren an der Erfurter Uni, sie Sozial-, er Staatswissenschaft. Doch das ist heute Nebensache, heute sind Anne und Michael Fackelträger für Amnesty International. Auf ihren gelben T-Shirts steht in schwarzen Buchstaben "Gold für Menschenrechte".

So heißt die Kampagne, mit der Amnesty seit vergangenen Dezember Unterschriften sammelt. 100.000 sollen am 13. Juli in Berlin der chinesischen Botschaft übergeben werden, um an ein Versprechen der chinesischen Regierung zu erinnern. Vor sieben Jahren, nachdem ihr Land den Zuschlag für die Sommerspiele 2008 bekam, propagierten die KP-Oberen Besserung, auch in Hinsicht der Menschenrechte.

Nach Berichten vieler Organisationen - Amnesty, Humans Rights Watch und Reporter ohne Grenzen - aber hat sich kaum etwas geändert. Deshalb halten die Studenten nun eine mannshohe Fackel in der Hand und versuchen die Menschen zu Unterschriften zu bewegen. "China hat etwas versprochen und das muss es auch halten", sagt Anne.

Mit ihrem Fackellauf wollen die Studenten dafür sorgen, dass das Thema bis zu den Spielen im August von der Öffentlichkeit nicht vergessen wird. Organisator ist das Studentische Aktionsnetzwerk, kurz STAN, von Amnesty International Deutschland. "Das war eine ganz spontane Sache", sagt Koordinatorin Lena Maier, Studentin in Freiburg. Binnen eines Monats fanden sich über 30 Hochschulgruppen von Amnesty für den Lauf, entzündet wurde die Fackel am 3. Mai an der Universität Freiburg. Seitdem wandert sie im Zickzackkurs durch die Republik, Zielort ist Berlin.

Jena ist die 19. Station der Fackel. Zwei Tage vorher wurde sie von Kassel nach Erfurt gebracht. Anne, Michael und ihre Kommilitonen trugen das Feuer dort mit Bannern und Pfeifen durch die Altstadt. Keine chinesischen Eskorten begleiteten den Lauf, keine Protestanten säumten den Weg. Die Polizei griff trotzdem ein. "Wir mussten die Fackel löschen, wegen der Waldbrandgefahr", sagt Anne.