Schon bei der Ankunft am Flughafen Berlin-Tegel wurde klar, dass der Geist hier eine völlig andere EM-Perspektive kennen lernen wird. Fähnchen an den Fensterscheiben der Autos, in den Fenstern, auf den Wangen der Menschen: überall schwarz-rot-goldene Sympathiebekundungen. Während des Spiels gegen die Türkei sollen 500.000 Menschen allein auf der Fanmeile im Tiergarten den Abend und später die Nacht zum Tage gemacht haben. Sie sollen zu Rhythmus und Melodie von: "Oh, wie ist das schön!" das "Sommermärchen" von 2006 nachgespielt haben. Deutsche und Türken gemeinsam. Getrennt nur im Hoffen und Bangen für ihr eigenes Team.

Hoffen und Bangen konnten die Anhänger beider Teams beim dramatischen 3:2-Sieg der deutschen Mannschaft eine ganze Menge, nicht nur, weil teilweise bei der Übertragung Bild und Ton ausfielen. Friedlich vereint ließen die Menschen ihren Gefühlen freien Lauf, um zu feiern, sich zu feiern und zu freuen, auch zu trauern und zu weinen. Bis nachts um ein Uhr sollen die Böller durch die Stadt gekracht sein, die Tränen geflossen sein. Der Verkehr auf den Hauptverkehrsstraßen soll zum Teil über Stunden zum Erliegen gekommen sein. Überall schwarz-rot-gold und weiß-rot. Auch andere deutsche Städte sollen "Sommermärchen"-Alarm gemeldet haben.

Zur Erinnerung: Der "Geist von Ascona", zumindest der Autor der Kolumne, ist für zwei Tage auf Zwischenstopp in der Heimat, Berlin, von wo aus ich am Sonntag zur vorläufig letzten Geisterfahrt aufbrechen werde, zum Finale nach Wien.

Richten wir den Blick doch noch einmal zurück nach Ascona. Angesichts des Spektakels in Berlin hatte Joachim Löw am Tag vor dem Spiel gegen die Türken seiner Mannschaft einen vierminütigen Zusammenschnitt der Begeisterung im Lande vorgeführt. Die Szenen waren vermutlich rund um die Partie gegen Portugal in Deutschland entstanden. Kein Wunder, denn in Ascona und Umgebung war von dieser Euphorie nichts, rein gar nichts zu bemerken.

Apropos bemerken: die bemerkenswerteste Äußerung des bisherigen Turniers, jedenfalls soweit sie deutschen Spieler zugeschrieben werden, stammt von Torsten Frings – und ist ein weiterer Beweis, dass man als Vertreter der zweiten, der Journalisten-Welt nicht immer glauben darf, was man sieht.