I"Wenn nötig, werden wir Gewalt anwenden", sagte Isaak Ben-Israel, Abgeordneter der regierenden Kadima-Partei, in einem Interview des Nachrichtenmagazins Der Spiegel . Militärische Probleme stünden einem Angriff nicht im Wege, sagte der Generalmajor a.D., der dem Bericht zufolge als Luftwaffengeneral 1981 an der Planung des Luftangriffs auf den irakischen Reaktor Osirak beteiligt war. "Vielleicht wird es schwieriger, aber es ist lösbar. Wir könnten es
schon heute tun."

Ben-Israel bestätigte zugleich Berichte, wonach Israel kürzlich bei einem Großmanöver im östlichen Mittelmeer Bombenangriffe auf iranische Atomanlagen geprobt hatte. "Es war nicht die erste Übung, es wird auch nicht die letzte sein", sagte Ben-Israel. Die Luftwaffe habe die Übung abgehalten, "um uns auf den Fall vorzubereiten", dass
die Weltgemeinschaft das iranische Atomprogramm nicht stoppen könne. An dem Manöver in der ersten Juniwoche hatten laut "New York Times" mehr als 100 Kampfflugzeuge vom Typ F-16 und F- 15 sowie Rettungshubschrauber und Tankflugzeuge teilgenommen. Noch könne das Problem auf andere Weise gelöst werden, sagte Ben-Israel. "Erst wenn
wir an den kritischen Punkt kommen, werden wir die letzte Option wählen."

Schabtai Schavit, ehemaliger Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad, sagte der britischen Zeitung Sunday Telegraph , im schlimmsten Fall könnte der Iran schon in etwa einem Jahr über die Atombombe verfügen. Israel habe somit noch etwa zwölf Monate Zeit, ein iranisches Atomwaffenprogramm zu stoppen. Er habe keinen Zweifel daran, dass der Iran beabsichtige, Nuklearwaffen einzusetzen, sobald er die Fähigkeit dazu habe, sagte Schavit. US-Unterstützung im Falle eines Angriffs auf den Iran sei vorzuziehen, Israel hätte jedoch nach seinen Worten keine Angst vor einem Alleingang. "Wenn es um Entscheidungen geht, die unsere nationale Sicherheit und unser eigenes Überleben betreffen, könnten wir die Amerikaner höchstens informieren, dass wir etwas beabsichtigen oder planen oder tun werden."

Teheran kündigte erneut einen Gegenschlag an, sollte Israel Atomanlagen im Iran angreifen. Der jüdische Staat liege in Reichweite iranischer Raketen, sagte General Mohammed Ali Dschafari, Befehlshaber der Revolutionären Garden. Jeden Angriff Israels auf seine Atomanlagen werde Teheran mit einem Raketen-Gegenschlag vergelten, sagte Dschafari laut iranischen Medienberichten vom Samstag. Zugleich drohte der Chef der Revolutionsgarden mit einer Blockade der für die Ölexporte aus der Golfregion wichtigen Ölroute durch den Persischen Golf und die Straße von Hormus.

Israel betrachtet den Iran als die größte strategische Gefahr für die eigene Sicherheit. Verteidigungsminister Ehud Barak hatte jüngst in Zeitungsinterviews darauf hingewiesen, dass "alle Optionen auf dem Tisch" seien. Zuletzt hatte Vizeministerpräsident Schaul Mofas für Schlagzeilen gesorgt, als er dem Iran mit einem Angriff drohte, falls
er sein Atomwaffenprogramm fortsetze. Diese Äußerungen waren seinerzeit noch als Einzelmeinung und Positionierung im Kampf um den Parteivorsitz in der Kadima-Partei angesehen worden.