Nach der Wahl, nach dieser deutlichen Niederlage für Oswald Metzger gingen noch einmal die Kameralichter an, durfte der Ex-Grüne noch einmal ins Gestrüpp der Mikrofone sagen, dass er hoch erhobenen Hauptes die Stadthalle im oberschwäbischen Biberach verlassen könne. Und er nahm die Gelegenheit wahr für eine Spitze: "Herr Rief wird ein Abgeordneter sein, der zu Oberschwaben passt."

Dieser Herr Rief gab am anderen Ende der Stadthalle ebenfalls Interviews, wenn auch deutlich weniger, und wer erst jetzt zur Nominierungsveranstaltung des Bundestagswahlkreises 292 gekommen wäre, hätte annehmen müssen, hier spreche einer der vier ausgeschiedenen Bewerber letzte Worte. Doch Josef Rief, Landwirtschaftsmeister und langjähriger Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Biberach, war der Gewinner des Abends. In einer Stichwahl, der dritten dieses Abends, hatte er sich mit 552 Stimmen gegen Oswald Metzger, der 398 Stimmen bekam, durchgesetzt. Von 991 CDU-Mitgliedern hatten immerhin 950 bis spät in die Nacht – es war bereits 0.30 Uhr – ausgeharrt, um diese Wahl zu entscheiden.

Dass fast 1000 Parteimitglieder gekommen waren, 1000 von 1880 Stimmberechtigten im Wahlkreis insgesamt, hätte ein erfreuliches Signal für eine wieder auflebende Politisierung der Gesellschaft in dieser Region des deutschen Südwestens sein können. Doch dass sich ein Bild ergab, wie man es von emotional bewegten Schweizer Volksabstimmungen im Kopf hat, war weniger einem allgemeinen Wandel des Denkens als der Wirkung der Reizfigur Oswald Metzgers zu verdanken.

"Wo stehst du?", war eine der am häufigsten geflüsterten Fragen vor Beginn der Nominierungsveranstaltung, die sich die CDU-Mitglieder zuraunten. Wo stehst du, dass sollte heißen: Bis du für Metzger oder gegen ihn? Oder anders, exakter: Bis du für Metzger oder für die CDU und deren gute alte Traditionen, nach denen ein Überläufer, ein Renegat aus Reihen der Grünen, der wie aus dem Nichts nach dem Wahlamt für das Berliner Parlament greift, nichts werden kann und soll?

Tief schwarz ist der Bundestagswahlkreis Biberach, schon seit der Nachkriegszeit, und für gestandene CDU-Mitglieder ist die Feststellung dieser Tatsache etwas Ehrenvolles. In der Praxis bedeutet das, dass ein für die Bundestagswahl nominiertes Mitglied praktisch auf direktem Weg nach Berlin katapultiert wird. Einer der Mitbewerber des Abends, Peter Diesch, Bürgermeister der oberschwäbischen Kleinstadt Bad Buchau, hatte es in seiner Bewerbungsrede betont. Der Wahlkreis Biberach sei "nur deswegen so erfolgreich, weil er schwarz ist". Wer seiner Mitbewerber ihm dabei möglicherweise besonders im Weg stehen könnte? Diesch drückte es in einem anspielungsreichen Zitat aus: Er jedenfalls sei nicht dafür gemacht, "publikumswirksam auf weichen Talkshow-Sofas" zu sitzen.