Auf dem 35. Gipfeltreffen der Präsidenten der südamerikanischen Mercosur-Gruppe wurden die neuen Abschieberegelung der Europäischen Union (EU) als nicht hinnehmbar kritisiert. Das EU-Parlament hatte Mitte Juni strenge Regeln für den Umgang mit illegalen Einwanderern, von denen viele aus Lateinamerika kommen, verabschiedet.

Die umstrittene "Rückführungsrichtlinie" sieht unter anderem Abschiebehaft von bis zu 18 Monaten und ein Wiedereinreiseverbot von fünf Jahren vor. Die Bestimmungen lösten einen Sturm der Entrüstung in Lateinamerika aus. Der linksgerichtete venezolanische Präsident Hugo Chávez drohte der EU sogar mit einem Öl-Embargo.

An dem Gipfel im argentinischen Tucumán nahmen neben der Gastgeberin Cristina Kirchner die Präsidenten der anderen Mitgliedsstaaten des Mercosur - dem Gemeinsamen Markt des Südens -, Brasilien, Paraguay und Uruguay, sowie die assoziierten Länder Chile, Bolivien und Venezuela teil.

Der Präsident der Kommission der ständigen Vertreter des Mercosur, der Argentinier Carlos Alvarez, warf den Europäern historische Undankbarkeit vor. "Wir sind die Länder, die die Europäer aufnahmen, als sie vor Hunger, Elend, Krieg und Diktatur auf der Flucht waren, und jetzt behandeln diese entwickelten Länder illegale Immigranten wie Kriminelle und Verbrecher", kritisierte er. "Europa ist sehr vergesslich."

Die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner hatte zum Auftakt der Runde Spekulanten für die stark gestiegenen Welthandelspreise für Nahrungsmittel und Erdöl verantwortlich gemacht. Es sei auffällig, dass sich die Preisspirale für diese Produkte gerade in dem Augenblick zu drehen begonnen habe, als im vergangenen Jahr die Hypothekenkrise in den USA ausgebrochen sei, sagte die Peronistin am Dienstag in der Stadt San Miguel de Tucumán 1200 Kilometer nordwestlich von der Hauptstadt Buenos Aires.