Die mutmaßliche Entführung zweier deutscher Touristen von einer Jacht und die immer noch andauernde Kaperung eines Lübecker Frachters heizt die Debatte über Piraterie in Deutschland weiter an. Politiker der CDU fordern, einen Passus in die Verfassung aufzunehmen, durch den die Bundeswehr ausdrücklich bisherige Polizeibefugnisse übernehmen dürfte. Die SPD befürchtet, dass diese Formulierung nicht nur für Einsätze im Ausland, sondern auch im Inland gelten könnte.

War im April von somalischen Piraten entführt worden: Der spanische Tunfisch-Trawler Playa de Bakio © privat

Im Emden im Rahmen der Anti-Terroroperation Enduring Freedom (OEF). Die Bekämpfung von Piraterie ist allerdings nicht Teil des Auftrages der OEF und daher auch nicht durch das derzeitige Bundestagsmandat abgedeckt. Die Marine kann zwar im Rahmen der Katastrophen- und Nothilfe Schiffen unter fremder Flagge in internationalen Gewässern zur Hilfe eilen und sich um die Vertreibung von Piraten bemühen, wie es die Crew der Emden nun bereits mehrfach erfolgreich exerziert hat. Verfolgung und Festnahme sind der Marine hingegen bislang verwehrt.

Fokus steht die Küste Somalias, da hier eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten vorbeiführt und mit die meisten Angriffe zu verzeichnen sind. Zudem patrouilliert dort die deutsche Fregatte

Das Piracy Reporting Centre in Kuala Lumpur meldetet 2007 weltweit 263 Angriffe von Piraten, eine Steigerung um 10% gegenüber dem Vorjahr. Die Dunkelziffer dürfte fast doppelt so hoch sein. Von den gemeldeten Piratenangriffen des letzten Jahres waren 43 Schiffe deutscher Reedereien betroffen, die damit einen Spitzenplatz unter internationalen Schiffseignern einnehmen.

Das Spektrum der Angriffe reicht von Gelegenheitsüberfällen über geplante Raubzüge bis hin zu Schiffsentführungen vorzugsweise mit dem Ziel der Lösegelderpressung. Die am häufigsten betroffenen Schiffe sind nicht, wie vielfach angenommen, Luxusjachten, sondern Container-, Massengut- und Cargofrachter sowie Chemikalien- und Rohöltanker. Auffällig ist der Trend zu verstärkter und massiver Anwendung von Gewalt, so das Piracy Reporting Centre. Und wieder ist es die somalische Küste, wo die Piraten mit am besten ausgerüstet sind und über Maschinengewehre, Granaten und Panzerfäuste verfügen.

Um Schiffe wirksam zu schützen, bedarf es ausreichend Personal – das angesichts steigenden Wettbewerbsdrucks und dem daraus resultierenden Zwang zu Einsparungen nur selten vorhanden ist. Um Gewalteskalationen zu vermeiden, aber auch mit Rücksicht auf die oft hochexplosive Ladung, haben die Reedereien das Tragen von Waffen an Bord meist verboten. Dies ist einer der Gründe, warum sie bei Entführungen meist Lösegeldzahlungen gewaltsamen Befreiungsaktionen vorziehen.