Wenn der Sohn oder die Tochter homosexuell ist, dann kann das für die Eltern mitunter ein Problem darstellen. Einige fragen sich vielleicht: Was habe ich falsch gemacht? Sie können beruhigt sein, denn eine neue Studie belegt: Die Erziehung hat auf die sexuelle Orientierung wahrscheinlich sehr wenig Einfluss. Genauso wenig die Gene.

Zu diesem Ergebnis kommt die weltweit größte Studie an homosexuellen Zwillingen. Forscher der Queen Mary's School of Biological and Chemical Sciences in London und des Karolinska Institutet in Stockholm hatten alle 40.000 in Schweden lebenden Zwillinge angeschrieben und darum gebeten, an der Studie teilzunehmen. Immerhin 7652 von ihnen, alle im Alter zwischen 20 und 47 Jahren, erklärten sich bereit, die Fragebögen der Forscher auszufüllen. Die Studie publizierten die Forscher in dem Fachblatt "Archives of Sexual Behavior".

Zwillinge sind für die Forschung besonders spannend, da man bei ihnen feststellen kann, ob Eigenschaften genetisch festgelegt sind oder durch äußere Einflüsse bestimmt werden. Denn Eineiige Zwillinge haben dasselbe Erbgut, zweieiige Zwillinge dagegen stammen aus zwei individuellen Eizellen. Durch den Vergleich beider Gruppen ist es dann möglich festzustellen, welcher Einfluss die Gene und welcher die Umwelt hat.

Die Zwillinge gaben an, wie viele homo- oder heterosexuelle Geschlechtspartner sie bisher in ihrem Leben hatten - Die Forscher verglichen anschließend die Angaben von eineiigen und zweieiigen Zwillingen und errechneten, welchen prozentualen Anteil das Erbgut, gemeinsame Erfahrungen und individuelle Erlebnisse bei der Wahl der Sexualität spielten.

Sollte Homosexualität genetisch festgelegt sein, müssten bei allen eineiigen Zwillingen beide Geschwister schwul oder lesbisch sein. Dem ist aber nicht so, fanden die Forscher heraus: Der Vergleich beider Gruppen zeigte, dass die Gene bei Männern nur zu einem Drittel für Homosexualität verantwortlich gemacht werden können. Bei Frauen ist es noch weniger, nur 18 Prozent.

Der entscheidende Faktor, der die sexuelle Orientierung bestimmt, ist einer auf denen Eltern mit ihrer Erziehung gar keinen Einfluss haben: Es sind eigene, individuelle Erlebnisse: die entscheiden, ob mann oder frau homo- oder heterosexuell

"Die Studie beendet die Überlegungen, nach denen wir nach einem 'Homo-Gen' suchen oder einer einzigen Variable" fasst Qazi Rahman zusammen, Co-Autor der Studie und führender Wissenschafter auf dem Gebiet der Sexuellen Orientierung. Die Faktoren, die die sexuelle Orientierung steuern, seien sehr komplex. "Aber wir sprechen hier nicht nur über Homosexualität. Auch Heterosexualität wird von einem Mix aus Genetik und Umweltfaktoren beeinflusst."